REZENSION BERTOLD ULSAMER

Alles ist machbar und 25 andere fatale Irrtümer im Business.
Denkfallen unter die Lupe genommen.


Eines der Hauptprobleme der Menschen- und Welterkenntnis besteht darin, nur einen Teilaspekt der Wirklichkeit zu erkennen und diesen als das Ganze auszugeben. Ab dem Kindesalter wird den Menschen all zu oft und kommentarlos eine Perspektive der Welt gezeigt, die nur einen ausgewählten Aspekt darstellt und ihnen übergestülpt wird, ohne dass sie sich dessen bewusst werden. Vereinfachte und noch so attraktive Darstellungen treffen selten die volle Wirklichkeit. So geschieht es auch im Business. Und um diese nicht hinterfragten Glaubenssätze aufzudecken, schrieb Bertold Ulsamer das Buch „Alles ist machbar und 25 andere fatale Irrtümer im Business – Denkfallen unter die Lupe genommen“.

Der Autor beschreibt Glaubenssätze wie  „Fehler sind unverzeihlich“ , „Mitarbeiter kann man formen“ oder „Harte Arbeit bringt Erfolg“. Illustriert werden soll seine Vorgehensweise am Beispiel des letztgenannten Irrtums. Das Kapitel beginnt mit der Feststellung, dass Erfolg in der Liebe kaum durch harte Arbeit erreicht wird. Der Glaube an die zwangsläufige Wirkung harter Arbeit sei aber bereits in der Bibel zu finden. Auch Max Weber erkannte dieses Ethos, als  er dem ‚Geist des Kapitalismus’ auf der Spur war. Illustriert wird das Problem von einer Erfahrung die Reinold Messner mit einem Europachef eines großen Unternehmens machte. Bertold Ulsamer fragt sich schlussendlich wie es denn im Sport sei. Natürlich brauche man Grundkraft, Kondition und Training, aber den Sportlern nach, käme die positive Energie durch Spaß, Freude, Liebe, Zielstrebigkeit, Optimismus, Vergnügen, Stolz, Selbstherausforderung und Teamgeist. Dass man die Arbeit vor allem gerne tun müsste, ist die Schlussfolgerung die gezogen wird. Das Kapitel schließt  mit der lustigen aber bedenklichen Feststellung, dass ein Affe der in Chicago ein Aktienportfolio vier Jahre lang managte, dabei jedes Jahr erfolgreicher war als die großen US-Indizes, und dies mit einer Rendite von 36% im Jahr 2006.

Alle Kapitel sind ähnlich aufgebaut. Was ist das Irrtum? Wie gestaltet  es sich in der Berufspraxis? Wieso ist es nur eine Teilwahrheit? Was wird verschwiegen? Was bewirken die Irrtümer? Die Antworten des Autors werden bekräftigt von Aussagen Prominenter, von aufschlussreichen Experimenten  oder von lustigen Begebenheiten. Zum Schluss gibt es dann die Ratschläge, wie man es besser machen kann.  Das Lesen wird nie langweilig, zumal auch jedes Kapitel  nur zwischen drei und sechs Seiten lang ist. Man liest das ganze Buch wie einen 25 Tagekalender, wo  man jeden Tag eine Seite abreißen kann. Statt Bildchen gibt es hier zu dem Text in jedem Kapitel Karikaturen. Sie sind nicht so direkt nach meinem Geschmack, aber regen zu folgenden zwei Fragen an: Fünf Karikaturen  wiederholen sich, vier davon sind aber nicht ganz identisch, nur eine bleibt gleich, welche? Es gibt nur eine Karikatur, wo eine Frau vorkommt...welche?

Das Buch ist nicht unbedingt sehr tiefgehend, aber ist sicher eine amüsante Lektüre. Es gibt sicher auch noch Betroffene im Berufsleben, die echt was dabei lernen können. Schlimm genug!

Alfred Groff                                           NOTE: GUT                                                April 2008