Tauschkrees Lëtzebuerg a.s.b.l. (SEL / LETS)

Das im Raume Pétange aktive „Tausch-System Kordall“ erweiterte kürzlich seine Aktivitäten über ganz Luxemburg unter dem neuen Namen „TAUSCHKREES LËTZEBUERG“. Die Statuten der Vereinigung halten folgendes Ziel fest: « L'association a pour objet de promouvoir les valeurs d'amitié et de solidarité au travers d'échanges de savoirs , de savoir-faire, de produits ou de biens et ceci sans utiliser de l’argent, sans profits ni intérêts en jeu. En créant les conditions d'un réseau de communication et de rapports équilibrés elle entend favoriser une prise de conscience de la dimension humaine sous-jacente à tout échange. Ces échanges ont nécessairement un but non lucratif et sont effectués de gré à gré entre les adhérents de l'association selon les demandes et les offres de chacun. Les conditions de mise en œuvre et leur coordination font l'objet d'une charte et d'un règlement intérieur. » Ähnliche Tauschringe gibt es ebenfalls in  Trier, Saarbrücken oder Metz. Wie kann man sich das zunehmende Aufkommen von Tauschringen oder Tauschsystemen (auch unter dem Namen SEL im französchsprachigen Raum bekannt und unter LETS im englischsprachigen Raum) in Europa erklären.
Neben einigen Regierungen fördert auch die Europäische Gemeinschaft Pilotprojekte in diesem Bereich. Immer mehr Menschen werden durch fehlende Nachfrage vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt und in die Abhängigkeit der Sozialhilfe und Sozialsysteme gedrängt. Zudem konzentriert sich heutzutage auf Grund des Zinseszinsmechanismus immer mehr Geldvermögen in den Händen von immer weniger Menschen. In diesem Zusammenhang verwies der Vortragende auf zwei aufschlussreiche unbedingt empehlenswerte Bücher die kürzlich erschienen, nämlich „das Geld-Syndrom“ von Helmut Creutz und das  „Geld der Zukunft“ von Bernard Lietaer. Als Kehrseite wächst die Verschuldung von immer mehr Menschen in schwindelerregende Höhen. Die Verschuldung wiederum, wie auch das anlagesuchende Kapital, üben einen immensen Wachstumsdruck auf unsere Volkswirtschaft aus, der zur Produktion überflüssiger Produkte sowie zur Naturzerstörung beiträgt.
Die meisten Politiker verweisen zur Lösung dieser Probleme auf ein marktwirtschaftliches Konkurrenzmodell, welches die Probleme verschärft und zur Entsolidarisierung der Gesellschaft beiträgt. Letztlich ist eine Änderung unserer Geldverfassung unumgänglich, wenn wir nicht in eine alles verschärfende politische Krise geraten wollen. Diese Fragen werden jedoch heutzutage nur in Randzirkeln der Gesellschaft diskutiert. Die wachsende nationale und fremdenfeindliche Sichtweise allerorten scheint ein deutlicher Beleg für unproduktive und unsoziale "Lösungsversuche" der ansteigenden ökonomischen Probleme zu sein.
In dieser Situation entdecken immer mehr Menschen Tauschringe und Leihgemeinschaften als eine Möglichkeit, den wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen eine konkrete Handlungsalternative entgegenzusetzen. Ein Tauschring fördert den geregelten Tausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen Menschen im Rahmen einer Verrechnungseinheit durch eine zentrale Tauschvermittlungsstelle. Er beseitigt die Abhängigkeit von Geldkapital und führt zu einem reflektierterem Umgang mit Geld.
Zinsen sind ganz aus dem Spiel, was sehr wichtig erscheint, denn wieviel Leute wissen, dass heute durchschnittlich 40 Prozent Zinsen in den Endverbraucherpreisen enthalten sind ? Das erklärt sich dadurch, dass die meisten an einem Produkt direkt oder indirekt beteiligten Firmen auf der Basis von geliehenem Kapital arbeiten. Sie können die fälligen Zinsen natürlich nur dadurch zurückbezahlen, dass sie diese in den Preisen verrechnen. Und die erwähnten 40 % entstehen durch die entstehende Akkumulation dieser Zinsenbeträge bis hin zu den  Endpreisen . Profitieren, und dies ohne dafür zu arbeiten, tun diejenigen die so wohlhabend sind, dass sie sich leisten können ihr Geld gegen Zinsen und Zinseszinsen zu verleihen, und je ärmer man ist desto mehr trägt man zu dieser Umverteilung des Geldes bei. Bürger der Mittelschicht erhalten durch Zinsen auf ihren Guthaben oder andere Bankgeschäfte zumindest einen Teil, der in den Preisen enthaltenen Zinsen zurück, aber wirklich profitiren tut nur eine kleine Minderheit.

Was sind nun die möglichen Vorteile eines Tauschrings: Die regionale Ökonomie kann gefördert werden , Energiekosten werden eingespart, Selbstbewußtsein wird gefördert, die Solidarität der Menschen wird gefördert,  der Isolation und Vereinsamung wird vorgebeugt, die lokale Gemeinschaft und persönliche Kontakte werden gefördert, die exponentiell steigende Verschuldungsproblematik infolge des Zinssystems wird eliminiert, die Abhängigkeit vom Geld wird gemildert, Tauschringe fördern Kreativität, weil Gebrauchsgegenstände repariert und die Abfallmenge nicht erhöht wird, können Tauschringe auch ein Beitrag zum Umweltschutz leisten, Tauschringe sind Hilfe zur Selbsthilfe insbesondere bei Arbeitslosigkeit, Tauschringe befähigen sozial schwache Personen Leistungen in Anspruch zu nehmen für die sonst kein Geld da wäre.

Wie funktionniert das Tauschen nun konkret im Tauschkrees Lëtzebuerg ? Die Talente, Fähigkeiten und Sachen die man hat, kann man sinnvoll einsetzen und sich selbst und anderen zum Nutzen bringen. Durch Tauschen hilft man sich gegenseitig. Als Mitglied im Tauschkrees kann man anhand der regelmässig erscheinenden Tausch-„Zeitung“ aus den Angeboten und Nachfragen aller Mitglieder frei auswählen. Zum Beispiel Marcel flickt das Rad von Nicole, die Anne Schreibarbeiten am Computer erledigt und dafür einige alte Schallplatten von Raymond erhält. Es findet also kein gegenseitiges Tauschen statt, sondern es wird immer im System getauscht. Mit der fiktiven Verechnungseinheit des „Kär“, wird ein Tausch auf einem Tauschschein festgehalten. Dieser wird an die Zentrale weitergeleitet, wo die Konten der Mitglieder verwaltet werden. Als Richtwert gilt:  ein „Kär“   entspricht einer Minute und als  Minimal- und Maximalbeträge der „Kären“-Konten wurden + 4000 und – 2000 festgelegt Mit ein bisschen Erfahrung merkt man, dass kaum  ein Mensch nichts zu bieten hat, auch wenn nicht jeder sogleich auf alle Möglichkeiten von selbst stösst. Eigeninitiative, Selbsthilfe, Kommunikation und soziale Kontakte werden gefördert, vor allem bei den regelmässig stattfindenden „flohmarktähnlichen“ Tauschbörsen.