EDITORIAL QUEESCH No 6

Wenn man im Lexikon das Wort Demokratie nachsucht, so ist da von „Volksherrschaft“ die Rede. Ich soll also Teil eines Volkes sein? Klingt irgendwie befremdlich, ich fühle mich eher als Mensch, als Bürger in der Region Luxemburg, in Europa, auf der Welt. Und was heisst dann noch Herrschaft? Wer herrscht in der Demokratie über wen? Ich will über niemanden herrschen, wie ich auch nicht will, dass jemand über mich herrscht. Ich möchte mich in Freiheit entfalten und selbstverwalten können, wie es auch für die Anderen möglich sein sollte, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität usw. Das wäre für mich echte Demokratie. Ein mündiger Bürger in solch einer Gesellschaft sein zu können, setzt voraus die eigenen Fähigkeiten frei entwickeln zu können, also einen Bildungsweg unabhängig von Staats- oder Wirtschaftsinteressen und einen uneingeschränkten Informationszugang . Ich will auch alles sagen können, Auseinandersetzungen haben mit denen, die eine andere Meinung haben, dabei andere Standpunkte kennenlernen, auch besser Zuhören lernen, mich in den Anderen hineinversetzen können. Und so könnten wir schlussendlich, jeder mit dem gleichen  Recht die Regeln für die Gestaltung des Zusammenleben aufstellen. Das wäre Demokratie für mich. Zu einer demokratischen Gesellschaft, die auf Menschenrechten und Menschenwürde basiert,  gehört auch das Recht angstfrei leben zu können, was persönliche Grundbedürfnisse anbelangt. Ich denke ein Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte dabei helfen , denn schlussendlich ist die Basis aller Produkte, denen ich bedarf, die Natur und die soll keinem mehr als dem Anderen gehören. Solidarität statt egoistischem Profit wünsche ich mir , doch leider heisst es:  „Geld regiert die Welt“. Geld, das ein Rechtsdokument eines Tauschaktes sein soll, wurde zur Ware, einer Ware die begehrter ist als jedes andere Wirtschaftsgut. Eine Wirtschaft mit Riesengewinnen, die auf Spekulation und Naturzerstörung aufbauen, auf der einen Seite, hungernde und vertriebene Menschen auf der andern Seite, kann für eine demokratische Entwicklung nur schädlich sein. Werden die anstehenden Wahlen in Luxemburg einen Beitrag zu einer demokratischen Entwicklung  leisten können ? Ich frage mich ob ich es wirklich verantworten kann, die Fragen der sozialen Gestaltung der Gesellschaft, an Vertreter der Parteiendemokratie/diktatur via Blankoscheck zu delegieren und dabei bei allen einzelnen Sachfragen ausgeschlossen zu sein, da wir keine bindende von unten initiierte Volksgesetzgebung haben.  Quasi alle Politiker scheinen ja nach wie vor der neoliberalen Wirtschaftsideologie verpflichtet zu sein, statt den Menschen. Der Schwerpunkt dieser Queesch soll anregen über alternative Lösungsansätze nachzudenken, miteinander ins Gespräch zu kommen und eine echte demokratische Gesellschaft in Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit und Frieden zu verwirklichen.

alfred