Alfred Groff, Dr.phil.
EINLEITUNG
Ich werde hier einen Rückblick über die wichtigsten Ereignisse auf dem Gebiete der Psychologie, insbesondere der klinischen Psychologie in Luxemburg in diesem Jahrhundert geben . Ein Grossteil des Artikels wird den Vereinsaktivitäten (Ereignisse, Briefverkehr, Publikationen …) gewidmet sein. Ein historischer Rückblick soll dies nicht sein und eine gewisse Subjektivität wird nicht zu vermeiden sein, da ich auf meine Informationen und 20-jährigen Erfahrungen in diversen psychologischen Vereinigungen zurückgreifen werde (Sekretär/Vizepräsident der SLP 1985-1998 ; Präsident der SLPCP 1988-1997 ; Präsidiumsmitglied der GPF 1992-2000 ; Präsident der MTK-LTG 1996-2000). Die Zeit von 1973 bis 1981 dokumentiere ich dank des Materials der ALPDU (« Association des Psychologues Diplômés Universitaires »), das mir von ihrem letzten Präsidenten Robert Soisson liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt wurde. Die Zeit vor 1973 wird durch ein Interview mit Herrn Norbert Ewen, Psychologe am Centre Universitaire, beleuchtet. Zuletzt geschieht ein Ausblick über das Jahr 2000 hinaus, anhand der Pläne, die mir von Gilles Michaux, dem aktuellen Präsidenten der SLP, mitgeteilt wurden. Ich möchte mich hier bei den genannten Personen und bei Brigitte Hartmann, Gérard Louis, Paul Prussen, Sylvia Schubert und Claude Vandivinit für ihre Mitarbeit bedanken und nicht zuletzt bei Lucien Nicolay für seine Anregung für diesen Text.
Zum weiteren Verständnis werden hier einleitend die psychologischen
Vereinigungen vorgestellt, mit Adresse und Abkürzungen, die dann auch
im weiteren Text Anwendung finden :
ALEA : Association Luxembourgeoise d’Etudes Psychanalytiques
42, rue Tony Neuman, L-2241 Luxembourg
ALEP : Association Luxembourgeoise des Etudiants en Psychologie
B.P. 280, L-9003 Ettelbruck
Email : aleppsy@onlineexpress.net
URL : http://alep.onlineexpress.net
ALPDU : Association Luxembourgeoise des Psychologues Diplomés
Universitaires
APPSSE:Association des Psychologues, Pédagogues et Sociologues
au Service de l’Etat
B.P. 22, L-5801 Hesperange
GPF : Gesellschaft fir Persounenzentréiert(wëssentschaftlech)
Psychotherapie a Forschung
B.P. 54,
L-8005 Bertrange
Email : gpf@mtk.lu
URL : http://www.mtk.lu/gpf.htm
LGIPA (SLPA) : Société Luxembourgeoise de Psychologie
Adlérienne
48, cité Millewee, L-8064 Bertrange
Fax : 31 72 52
MTK: Lëtzebuerger Gesellschaft fir Transpersonal Psychologie
(Main Transpersonale Kaer a.s.b.l.)
B.P. 54, L-8005 Bertrange
Email : mtk@mtk.lu
URL: http://www.mtk.lu
SLP : Société Luxembourgeoise de Psychologie
B.P. 1787,
L-1017 Luxembourg
SLPCP : Société Luxembourgeoise de Psychologie Clinique
et de Psychothérapie
B.P. 1326, L-1013 Luxembourg
Auf die konkreten Arbeitsbereiche der klinischen Psychologen in Luxemburg
wird in diesem Artikel nicht näher eingegangen werden . Es sind dies
die klassischen Arbeitsstätten wie HNP Ettelbrück und die Filialen
in Useldange (Alkohol) und Manternach (Drogen), sowie neuere Dienstellen
in Kliniken, wie diejenige für Schmerzpatienten oder kinderpsychiatrische
Patienten. Daneben gibt es psychotherapeutisch tätige Psychologen
in verschiedenen Beratungsstellen (Centres de Santé mentale, Liewens-Partner-Familjeberodung,
Planning Familial, Services de guidance, SPOS …) und in vom Familienministerium
abhängigen Institutionen (z.B. verschiedene Heime). Weitere Details
findet man in den « Répertoires der SLP » , dem «
Resolux » (1990, 1994, voraussichtlich 2000) oder dem « Guide
pratique des réalisations médico-sociales et psycho-pédagogiques
au Luxembourg ».
1. Die Zeit als es noch keine Vereinigungen gab
(1920-1973)
Die Pioniere vor dem zweiten Weltkrieg
Erste Spuren der Tätigkeit von Psychologen in Luxemburg gibt es schon nach dem ersten Weltkrieg. Der Psychologe Robert war ab den 20er Jahren am Institut Emile Metz angestellt. Er hatte in Leipzig bei Wundt studiert und war tätig bei der Auswahl und Prüfung der Qualifikationsmerkmale verschiedener Handwerker mittels einer Vielzahl von speziellen Instrumenten und Apparaten. In den 20er Jahren gab Philosophieprofessor N. Braunhausen, der ebenfalls der Wundt-Schule entstammte, Psychologiekurse im Atheneum (« Cours »). Dort unterhielt er ein « Laboratoire de psychologie » und führte an seiner Beratungsstelle Tests durch. Er war Psychologieprofessor in Lüttich und publizierte Schriften aus dem Bereich « Gedächtnisforschung ». In Luxemburg war er als Minister an der Ausarbeitung des Gesetzes der Handwerkerschule beteiligt.
Die 50er und 60er Jahren : « Klinische Psychologie in der Schule »
Nach dem zweiten Weltkrieg gab der Luxemburger Psychologieprofessor Piret Kurse an der Universität in Lüttich. In Luxemburg trat in den 50er Jahren Prof. G. Schaber in Erscheinung. Er hatte in Louvain bei Prof. De Greef sein Doktorat gemacht. In Luxemburg war er zuerst im Bereich der Justiz tätig, im Gefängnis und im Bereich der « Défense Sociale », wovon noch heute der « Comité National de Défense Sociale » mit seinen Aktivitäten im Sozialbereich zeugt. Dann nahm er seine Tätigkeit im schulischen Bereich auf, zunächst als beigeordneter Direktor an der Normalschule. Im « Institut Pédagogique » im alten Atheneum hatte er dann Anfang der 60er Jahre mehrere Räume für medizinisch-psychologische-pädagogische Beratung zur Verfügung. Damals stand das Teamkonzept, die Idee, dass ein Psychologielehrer auch ein praktischer Berater sein sollte und die klinische Herangehensweise im Bereich der Schulpsychologie im Vordergrund. Ende der 60er Jahre zog das Institut, spätere ISERP, in die alten Kasernen nach Walferdange um. Im Team um G. Schaber sammelten sich einige « professeurs-psychologues », Sonderpädagogen, Lehrer, Aerzte (Dumont, Everling, Ewen, Hastert, Matheis, Wilmes …). Aber auch die ersten Psychologen, die nicht vorher Professoren waren : P. Dickes und A. Zlatnik.
Manngfaltig waren die Tätigkeitsfelder , so z.B.:
- Beratung und Tests (800-1000 im Jahr): individuelle Probleme –
Kontakt mit den Lehrern
- Nicht immer einfache Zusammenarbeit mit den « classes orthopédagogiques
»
- Entwurf von Tests
- Mitarbeit in der MAGRIP-Studie
- Vorarbeit im Rahmen des bevorstehenden Gesetzes der «
Education différenciéé » :
- Ausbildungen : 3. Jahr für Lehrer, vor einer diesbezüglichen
gesetzlichen Regelung
- Gruppenarbeit : Spielgruppe, Dyslexiegruppe, Psychomotorikgruppe
Neue Gesetze
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre gab es einige Gesetze, die die Lage der Psychologen in Luxemburg veränderten. Ein Gesetz von 1968 schaffte die « collation des grades » ab. Man konnte also nicht mehr Gymnasialprofessor und Psychologe zugleich sein. Dies führte in den 70er Jahren zu einer aus heutiger Sicht überflüssigen Diskussion, ob die « professeurs-psychologues », trotz der im Bereich der Psychologie geleisteten Pionierarbeit, echte Psychologen seien oder nicht. Ab 1968 arbeiteten Psychologen in den « Services de Psychologie et d"Orientation Scolaire » SPOS des klassischen Sekundarunterrichts, nach dem Gesetz für den technischen Sekundarunterricht 1970, auch an diesen Schulen.
Ende der 60er , Anfang der 70er Jahre fing die Zeit der Institutionsanalysen und der Reformen im Heimbereich an, an denen viele Psychologen mitwirkten. J.Thyes und E.Molitor waren erste Psychologen, die MPPS-Teams (« médico-psycho-pédagogique et social ») in diesem Bereich aufbauten und die Konventionen zwischen Heimträgern und dem Familienministerium vorbereiteten. Zu dieser Zeit kam es in diesem Bereich nicht zu einem Gesetz, aber erste Konventionen wurden 1975 unterzeichnet.
Durch das Gesetz über die « Education Différenciée » wurden 1973 weitere Psychologenposten geschaffen. Regionale « Services de Guidance » wurden eröffnet. Die Beratungsstelle in Walferdange verlor langsam an Bedeutung. In diesem Gesetz aber wurde vor allem die Psychologenlaufbahn beim Staat definiert. Man musste eine « Première » und ein mindestens 4jähriges Psychologiestudium mit Abschluss vorweisen. Der Schutz des Psychologentitels war damit aber noch nicht geregelt.
Nach einem Gesetz des Jahres 1974 nahmen fünf multidisziplinäre Teams im « Hôpital Neuro-Psychiatrique (HNP) » in Ettelbruck ihre Arbeit auf. Ihnen gehörte jeweils auch ein Psychologe an. Der Psychologe P.Neuberg begründete 1978 die erste Aussenstelle des HNP, das Zentrum für Alkoholabhängige in Useldange, dem 1979 die Aussenstelle für Drogenabhängige in Manternach (S.Schubert) folgte.
Zu der Zeit gab es eine permanente Diskussion über das Recht
der Ausübung des freien Psychologenberufes, freischaffende Psychologen
und Psychotherapeuten gab es zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Ein Versuch
eine Beratungsstelle für Kinder und Familien in der Kinderklinik zu
eröffnen scheiterte.
2. Die psychologischen Vereinigungen ab 1973
1973-1985 : Die ALPDU
Am 2. Juni 1973 haben 13 Psychologen (P. Dickes, J. Dietrich, J.
Matheis, A. Manderscheid, N. Meyer, E. Molitor, A. Lemal, G. Nilles , A.
Kaiser, M-P. Hetto, P. Neuberg, A. Wagner, C. Simon) die « Association
Luxembourgeoise des Psychologues Diplômés Universitaires (ALPDU)"
ins Leben gerufen, die 15 Ziele anstrebte u.a. den Titelschutz des Psychologen.
Die Vereinigung, die sich 1981 wieder auflöste, hatte zwei
Präsidenten : zuerst L. Kaiser, anschlie?end R. Soisson.
In den ersten Jahren wurden den Mitgliedern, deren Zahl bei etwa
40 im Jahre 1977 lag, regelmä?ig « bulletins de liaison »
zugestellt. In den letzten Jahren gab es 9 Bulletins der ALPDU mit vielen
Illustrationen von R. Soisson.
Hier einige Schwerpunkte der Arbeit :
1974 : Versammlung mit dem Ministère de l’Education Nationale
zu folgenden Themen : Durchführung von Tests, die Aktivitäten
innerhalb der SPOS und die Gesamtschule.
1975 : Stellungnahme zum « Projet de loi sur l’organisation
et le fonctionnement de l’administration nationale de l’emploi ».
Im gleichen Jahr gab es folgende Arbeitsgruppen : »groupe
de travail école globale » und « groupe de travail d’analyse
»
1977 : Diskussion über die Ausbildungen der « reinen
psychologues diplômés universitaires ». In diesem Jahr
gab es im Tageblatt ein Interview mit L. Kaiser zum Thema «Psychologen
für eine tiefgreifende Schulreform », sowie eine Umfrage «enquête
sur les chances d’emploi pour les psychologues auprès des firmes
et administrations ».
1978 : Das Thema Berufsethik taucht auf.
1979 gibt es im letzten Bulletin einen längeren Text von L.
Kaiser über die Rolle des Psychologen.
Im gleichen Jahr stellt sich die ALPDU gegen die Verwendung von
Tests für die Rekrutierung in der Forstverwaltung, was zu einer
parlementarischen Anfrage führte.
In den 70er Jahren drehten sich die Hauptthemen also um die Schule
(Gesamtschule, Schulreform, Schultests, angstfreie Schule) und um
die Frage der Testverwendung. Ein Ausschnitt aus dem Luxemburger Wort :
« Von qualifizierten Lehrern durchgeführte Tests sollen diesen
verdienstvollen Lehrpersonen vorbehalten bleiben » oder im
Journal : « Schulpsychologie im Gespräch ».
Weitere Themen am Ende der 70er Jahre : MPPS-Tarife, Anerkennung
des Berufes des Psychologen, 40-Stundenwoche , Amnesty International und
V. Havel. Vor allem die Frage des Beitritts der ALPDU zu einer Gewerkschaft
führte ab 1976/1977 zu einer heftigen Diskussion. Diese Diskussion
kannte 1980 ihren Höhepunkt und führte schlussendlich zur offiziellen
Auflösung des Vereines.
Stellungnahmen von A.Eilert, E.Molitor, J.Molitor, C.Nilles, G.Pregno,
oder C.Vandivinit zeugen von dieser Zeit: « fluctuat nec mergitur
– wann een nëtt schwömmt kann een och nëtt erdrenken »
; »Après sa phase orale (Neuberg), sa phase sadique-anale
(Kaiser), elle se réjouit de tout coeur de l’aspect syndical de
sa phase phallique (Soisson) qui l’obligera tôt ou tard à
accéder à la génitalité » ; «Wir
sind doch blo? ein bescheidenes halbes Dutzend, gewählt, weil sonst
niemand Lust hat … Machen wir doch das, was uns Spa? macht, sei es nun
diskutieren, Konferenzen organisieren oder … kegeln ! « oder
»Crise d’identité ou débat sur l’euthanasie ? »
Die ALPDU wurde 1981 offiziell aufgelöst, nach unlösbaren
Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Vereinigung Mitglied einer
Gewerkschaft werden sollte oder nicht. Einige Psychologen gründeten
daraufhin die Gruppe der diplomierten Psychologen innerhalb des OGBLs.
Dort wurde 1982 weiter über die berufliche Situation der Psychologen
in den SPOS diskutiert. Ein Memorandum zeugt aus dieser Zeit. Die Tätigkeitsbereiche
der Psychologen in Luxemburg waren im Mai 1982 folgende :
- Betriebspsychologie : 1 Posten
- Schulpsychologie : 35,5 Posten, davon 19 im « Enseignement
secondaire », und 6,5 in der « Education Différenciée
»
- Psychologie im Sozialbereich : 16,5 Posten
- Psychologie im Gesundheitswesen : 11,5 Posten, davon 7,5 in der
Psychiatrischen Klinik
- Forensische Psychologie : 2 Posten
- Wehrdienstpsychologie : 0,5 Posten
- Berufsberatung und Arbeitsmarktverwaltung : 4 Posten
- Angewandte Forschung : 2 Posten
Ueber das Gesundheitswesen steht u.a. in diesem Memorandum zu lesen,
dass in den Einrichtungen die Bekämpfung des Alkoholismus, der Drogen
und anderer psychischer Probleme im Vordergrund steht und dass dem Hilfsbedürftigen
psychotherapeutische Behandlungsformen angeboten werden. « Die Arbeitsgruppe,
der im OGBL organisierten Psychologen, fordert den Ausbau dieser Behandlungsmethoden
und ihre offizielle Anerkennung durch die Krankenkassen. Jedoch nur speziell
ausgebildete Aerzte und Psychologen sind berechtigt die einzelnen Psychotherapien
anzuwenden. Weiterhin müsste von seiten des Staates und der Gemeinden
ein stärkerer Akzent auf die Einrichtung therapeutischer Wohngemeinschaften
gelegt werden. » Ueber frei schaffende Psychologen war zu der Zeit
immer noch nicht die Rede.
Eine ebenfalls geplante neutrale Gesellschaft für Psychologie kam aufs erste nicht zur Entstehung. Zwei Treffen im Jahre 1983 von jüngeren Kollegen scheiterten daran, dass die einen offiziell in Form von Arbeitsgruppen funktionieren wollten, die anderen nur einen losen Psychologenstammtisch gründen wollten.
1985: Die Gründung der SLP
Im Frühjahr 1985 initiierte A.Groff eine Arbeitsgruppe um Statuten für eine Gesellschaft für Psychologie zu erarbeiten. Die Zahl und Art der Aktivitäten dieser Vereinigung sollte vom Initiativgeist der Mitglieder abhängen und dies auf der Basis der erarbeiteten Statuten. Nach drei Treffen wurden Einladungen an 140 Psychologen geschickt, von denen sich mehr als 50 für die konstituierende Generalversammlung am 11. Juli 1985 zusammenfanden (23 offizielle Gründungsmitglieder). Der Verein wurde "Société Luxembourgeoise de Psychologie (SLP)" getauft und regruppierte diplomierte Psychologen einerseits (« membres actifs ») und an der Psychologie interessierte Personen andererseits (« membres associés »). Der erste Verwaltungsrat setzte sich wie folgt zusammen : S. Andrich, R. Goffin, A. Groff, F. Khabirpour, C. Majerus, J. Meyer, P. Prussen, J. Thill, R. Thillmann und G. Walers. Die Ziele der SLP : Das Verbreiten der Anliegen der Psychologie auf nationaler und internationaler Basis, die Unterstützung der wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet, die Förderung des Kontaktes zwischen den Mitgliedern, das Eintreten für eine Berufsethik und die Vertretung der Interessen des Psychologenberufes. Eine engere Zusammenarbeit mit der « Association des psychologues diplômés affiliés à l’OGBL » scheiterte an deren Forderung eine fixe Zahl Mitglieder des SLP-Verwaltungsrates zu bestimmen.
Die Zahl der Mitglieder stieg schnell und 1990 umfasste der Verein 150 Mitglieder davon 125 Psychologen, diese Zahl stieg in den darauffolgenden Jahren weiter auf ca. 200 im Jahr 1995 an. Ab September 1985 bis Januar 1998 erschienen 77 Nummern der internen Zeitschrift der SLP (6 Nummern jährlich) . Ab No 62/63 (Sommer 1995) trug das « Bulletin der SLP » den Namen PSYNFO. Inhalt waren Informationen über Veranstaltungen, Weiterbildungen und Konferenzen im In- und Ausland, Anzeigen von freien Psychologenposten, Berichte der Sitzungen des Verwaltungsrates und Artikel über verschiedene psychologische Themen. Erwähnt seien die Artikel aus verschiedenen Bereichen der Klinischen Psychologie von luxemburgischen Autoren: « Familientherapie » (G.Pregno), « Humanistische und transpersonale Psychotherapie » (A.Groff) « Individualpsychologische Psychotherapie », sowie « Verhaltenstherapie » und Diagnostik (L.Nicolay). Die Nummer 50 ist eine Rückblicknummer über die Tätigkeiten in den ersten Jahren der SLP. In der PSYNFO-Nummer 74-75 (9/97) sind erstmals die Adressen der psychologischen Vereinigungen und Beratungsstellen sowie psychologische Notruftelefonnummern nachzulesen .
Besonders die ersten Jahre des Vereins, also die 80er Jahre waren geprägt von einer regen Tätigkeit im Bereich der Organisation von Konferenzen. T. Mergen oder E. Laszlo waren ebenso Gäste der SLP, wie bekannte Personen aus dem Bereich der klinischen Psychologie wie N. Peseschkian, F. Duyckaerts, E. Blumenthal, L. Pongratz, … Der Aufenthalt von P.Watzlawick in Luxemburg stand unter der Schirmherrschaft der SLP.
Am 17. November 1990 fand im Kurpark in Mondorf der erste Tag der Psychologie in Luxemburg statt. Der Hauptredner war M. A. Lefèbvre. Eine Serie Zeitungsartikel in den Tageszeitungen stellten die Arbeit der Psychologen in den Bereichen Gesundheitswesen, Schule, Beratung und Familie sowie im Unternehmensbereich dar. Ein SLP-Mitglied war als « Redakter fir eng Stonn » bei RTL-Radio eingeladen. Und nicht zuletzt wurde an diesem Tag der erste « Répertoire des psychologues » vorgestellt. Neben den Adressen von 91 Psychologen, wurden die Resultate einer Umfrage publiziert. Es zeigte sich, dass die meisten Psychologen in Frankreich studierten (39%). 22% gaben Gesprächspsychotherapie als Zusatzausbildung an und 13% Familientherapie, jeweils 7% Verhaltenstherapie und Psychoanalyse. 41% waren Staatsbeamte, 40% Privatbeamten, 11% Unabhängige. Die meisten arbeiteten im Bereich der Beratung. Im « Répertoire » waren auch mögliche Praktikumsplätze angeführt.
Der zweite Tag der Psychologie wurde in Luxemburg-Stadt abgehalten . Zu diesem Tag erschien das 2. « Répertoire ». Ein Kapitel war « Luxemburger V.I.P.s » und ihrer Meinung zur Psychologie gewidmet (B.Fayot, L.Czuga & R.Leiner, R.Kalté, J.Castegnaro). 127 Psychologen und 26 Psychotherapeuten waren aufgelistet. F. Petermann sprach im Hauptvortrag über « Klinische Psychologie im Kindes- und Jugendalter ». Des Weiteren sprachen U. Petermann und G. Weber. RTL-TV berichtete ebenso über diesen Tag, wie alle Tageszeitungen.
In den 90er Jahren waren der Titelschutz und das Statut des Psychotherapeuten im Mittelpunkt der Gespräche. Auf diese Themen wird gesondert weiter unten eingegangen.
Die Präsidenten der SLP waren : A.J. Weitzel , G. Walers,
G. Pregno, J. Van Sabben , P. Prussen , M. Schmit, J. Thill und seit 1999
G. Michaux. Für Sekretariat und Redaktion des PSYNFO, sowie für
die Finanzen waren von 1985-1998 A. Groff, sowie G. Bintener, C. Majerus
und P. Prussen zuständig. Ein Problem, das sich über die Jahre
stellte, war das Problem des Nachwuchses im Verwaltungsrat. Alle diejenigen,
die neu dazu stie?en, hörten nach einigen Jahren wieder auf, wegen
Schwangerschaft, weil die « Alten » zu gut eingearbeitet waren
oder wegen anderer Prioritäten. « Revitalisierung – Autonomie
– Basisnähe » waren die Vorschläge einer Reform im Editorial
des letzten PSYNFO. Doch die weiteren Ereignisse sollten einen anderen
Weg aufzeichnen, der voller neuer Pläne ins dritte Jahrtausend führt.
1998 trat die Mannschaft, die jahrelang im Amt war, kollektiv zurück
und dies nach den Diskussionen über die Haltung gegenüber den
Psychiatern, was die Frage der Ausübung der Therapie anbelangt.
Die Geschicke der SLP wurden mit einem neuen Team unter dem langjährigen
Studentenvertreter im Vorstand G. Michaux weitergeführt. Leider
sank 1998 nach den erwähnten Vorfällen und der Einstellung des
Erscheinens des PSYNFOs - Bindeglied zwischen den Mitgliedern- die Zahl
der zahlenden Mitglieder auf unter 100. Doch der äu?ere Schein trügt
: Mon konnte denken, die neu gegründete Studentenvereinigung ALEP
mit ihrer noch bescheidenen Mitgliederzahl würde der SLP den Rang
ablaufen. Immerhin organisierte sie kürzlich zwei Tage psychologischer
Konferenzen (die SLP war lediglich Koorganisator), baute eine Homepage
auf, veröffentlichte schon 5 Bulletins …. Doch auch in der SLP wurde
weitergearbeitet : Die Vereinigung erhielt das jahrelang bei der Gemeinde
angefragte Vereinslokal (167, rue de Trèves am Cents), der seit
Jahren in Vorbereitung steckende 3. Répertoire soll in Kürze
in Buch- und Diskettenform erscheinen und mit Hilfe eines Anwaltes wurde
das Psychotherapeutenprojekt des Ministeriums unter die Lupe genommen.
Die über zehn Jahre diskutierte Mitgliedschaft in der europäischen
Vereinigung EFPA steht vor einer Regelung. Aber das wichtigste scheint
der Plan der SLP zu sein, dem Namen der « Société de
Psychologie » voll gerecht werden zu wollen und neue Akzente
in diesem Sinne zu setzen. Wie soll das konkret aussehen ?
1. Eine enge Zusammenarbeit mit den bestehenden psychologischen
Vereinigungen wird gesucht. Dafür werden regelmä?ig themenbezogene
« Tables Rondes » mit Vertretern der anderen Vereinigungen
veranstaltet. Gestartet wird mit dem Thema « Psychotherapie »
. Die SLP möchte die Rolle eines Koordinators übernehmen.
2. Für die beruflichen Belange soll die SLP grobe Richtlinien
erarbeiten. Detailfragen sollen in der Praxis von und mit den diversen
Vereinigungen gelöst werden. Der Präsident der SLP soll auch
keine leitende Funktion in einem der anderen Vereine mehr übernehmen.
3. Das institutionelle Standbein der SLP soll das « Centre
Universitaire de Luxembourg (Cunlux) » werden, wo ein «
premier cycle » in Psychologie aufgebaut wurde und ab 2001
ein « troisième cycle » mit Spezialisationen, wie etwa
« Klinische Psychologie / Psychotherapie », folgen soll. Wissenschaftliche
Forschungsergebnisse der Psychologie-Sektion des Cunlux sollen über
die SLP verbreitet werden.
4. Eine SLP-homepage mit Veranstaltungen aller Vereinigungen, Vernetzungen
zu diesen und anderen Interessensgebieten der Psychologie sollen hier ihren
Platz finden.
5. So lange es keinen offiziellen Titelschutz gibt, will die SLP
die Diplome der Mitglieder sammeln und die diplomierten Psychologen auf
einer Liste vereinigen
Die Vereine mit Ausbildungen in Psychotherapie und psychologischer Beratung: LGIPA (SLPA) , GPF und MTK
Im Jahre 1987 wurde die "Société Luxembourgeoise
de Psychologie Adlérienne, a.s.b.l. (SLPA / LGIPA)" ins Leben gerufen.
Ihr aktueller Präsident ist L. Nicolay. Die Vereinigung verfolgt folgende
Ziele :
- die Verbreitung, die Vertiefung und die Erneuerung der Psychoanalyse
nach Alfred Adler u.a.
- die Verbreitung ihrer sozial-praktischen und humanistischen Ideale
- Innovation, Forschung und Weiterbildung auf dem Gebiet der Psycho-Pädagogik
und Psycho-Therapie sowie ihrer methodischen Anwendungen
Jeder am Mitmenschen und an den Humanwissenschaften Interessierte
kann Mitglied werden. Spezialisierte SLPA-Mitglieder sind die Inhaber eines
ausländischen Abschlussdiploms in «Adlerianischer Psychoanlayse
», « Neopsychoanalyse », « Humanistischer Psychoanalyse
», « Sozio-teleologischer oder sozio-persönlicher Psychologie
». Die SLPA bildet seit 1988 auch selbst « Psychosoziale Berater
», « Psychotherapeuten » und « Psychoanalytiker
» aus.
Die SLPA organisiert des weiteren Gesprächsgruppen, Weiterbildungen
für Eltern und Paare, Spielgruppen für Mütter und Kinder,
Konferenzen, Seminare, Workshops, literarische Zirkel …. Weiter werden
Basis- und spezialisierte Ausbildungen angeboten. Es besteht eine Ausbildungs-
und Lehranalytikerkommission, die sich auch an der Frage der Anerkennung
des Psychotherapeuten beteiligte (siehe unten). Es besteht ebenfalls eine
Ethik-, Beschwerden- und Schlichtungskommission. Die Ethikrichtlinien des
« Europäischen Verbandes für Psychotherapie » (EVP/EAP)
wurden angenommen. In den Anfangsjahren kam in jedem Quartal die Zeitschrift
IP-Forum heraus, später aus Kostengründen nur noch ein umfangreiches
Jahresheft. 1998 feierte die SLPA/LGIPA ihr 10jähriges Bestehen,
wovon eine IP-Forum Sondernummer zeugt. Namen wie Ackerknecht, Biehle,
Blumenthal, Khabirpour und Nicolay bleiben eng mit der frühen Geschichte
der Vereinigung verbunden.
Die LGIPA betreibt heute eine integrativ ausgerichtete Psychotherapieausbildung
auf der Basis der akademischen Psychologie. 1988 wurden die Ausbildungsrichtlinien
überarbeitet und dem aktuellen Forschungsstand angepasst. Zum 1.1.2000
wird die LGIPA Mitglied der internationalen Vereinigung für Individualpsychologie
(IVIP/IAIP).
Die "Gesellschaft fir persounenzentréiert (wëssenschaftlech)
Psychotherapie a Forschung (GPF) a.s.b.l." entstand 1992. Sie verfolgt
folgende Ziele :
- die personenzentrierte Methode nach Rogers (wissenschaftliche
klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie) und Gendlin (erlebensbezogener
Ansatz des Focusing) in der Praxis und Forschung zu verbreiten und zu unterstützen
- eine Gemeinschaft personenzentrierter Psychotherapeuten und in
anderen humanistischen und transpersonalen Methoden ausgebildeten Psychotherapeuten
zu bilden
- die Ausbildung, Weiterbildung und Supervision der Mitglieder zu
fördern und auf ihre Deontologie und Berufsinteressen zu achten
- internationale Kontakte zu pflegen insbesondere mit dem “Network
of the European Associations for Person-Centered Counselling and
Psychotherapy (NEAPCCP)”,
- das "Institut fir Psychotherapie a Forschung (IPF)" zu führen
- Ausbildungen zum personenzentrierten Berater und zum klientenzentrierten
(Gesprächs)-Psychotherapeuten zu organisieren
Dem Präsidium gehören an : J-M. Godar, A. Groff , G. Louis,
P. Prussen. Eine erste Ausbildung wurde 1996 organisiert , weitere folgten
in den folgenden Jahren. 1997 wurde eine Zeitschrift gemeinsam mit der
SLP herausgegeben zum Thema « Gesprächspsychotherapie in Luxemburg
». Eine zweite Zeitschfrift « GP-Info 1998/1999 » folgte
anlässlich der Gründung des “Network of the European Associations
for Person-Centered Counselling and Psychotherapy (NEAPCCP)” im September
1998 in Luxemburg. Weitere Informationen über die GPF gibt es übers
Internet: http://www.spider.lu/homepages/gpf.
1997 entstand die « Lëtzebueger Transpersonal Gesellschaft » (« Main Transpersonale Kaer a.s.b.l. » / MTK-LTG). Das Wort « Transpersonale Psychologie » wurde bewusst vermieden, weil der Ansatz weit über den Ansatz der Psychologie hinausreicht, auch wenn er sich aus der Humanistischen Psychogie (die in Luxemburg durch die GPF vertreten wird) entwickelte. Den Begriff der „Transpersonalen Psychologie“ haben humanistische Psychologen wie Maslow Ende der sechziger Jahre in den USA geprägt. Ueber den humanistischen Ansatz hinausgehend bezogen sie die religiöse bzw. spirituelle Dimension der Psyche mit ein. Die in Europa bereits etablierte Jung’sche Psychologie, die Logotherapie Frankls , die Psychosynthese Assagiolis oder die Initiatische Therapie Graf Dürckheims gelten als europäische Vertreter der transpersonalen Richtung. Transpersonale Psychotherapie richtet sich auf das gesamte Spektrum des Bewusstseins und umschlie?t den ganzen Bereich geistiger, psychischer und psychosomatischer Störungen. Als integrativer und ganzheitlicher Ansatz geht sie über die konventionellen psychotherapeutischen Ziele und Behandlungsmethoden hinaus und unterstützt besonders das Wachstum der Persönlichkeit jenseits der reifen Ich-Identität. Dabei flie?en Elemente verschiedener humanistischer Therapieverfahren, der Körpertherapie, Meditation und anderer spiritueller Techniken in den Therapieprozess ein.
In unseren Nachbarländern wurden in den letzten Jahren im Bereich der psychologischen Fakultäten die ersten Lehrstühle für Transpersonale Psychologie eingerichtet. Die MTK-LTG organisert mit der GPF ab 2000 eine Ausbildung zum « transpersonalen Berater ». Die Gesellschaft ist vernetzt mit der EUROTAS, dem europäischen Dachverband der nationalen Transpersonalen Gesellschaften, die Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen sowie Mediziner, Psychotherapeuten und andere Interessierte vereinigt um die Forschungen und Erfahrungen aus ihren Gebieten auszutauschen und praktisch umzusetzen. Der Vorsitzende der MTK-LTG ist A. Groff.
Andere psychologische Vereinigungen : APPSSE , ALEP , ALEA
Einige weitere Vereinigungen, die nicht in der Ausbildung von Beratern und Psychotherapeuten tätig sind, sind nur sporadisch in der Oeffentlichkeit aufgetreten.
Im Jahre 1986 wurde die »Association des Psychologues au Service de l'Etat, a.s.b.l. (APSE) » ins Leben gerufen. Ziel ist die professionelle Vertretung der beim Staat arbeitenden Psychologen und die Vertetung ihrer beruflichen Interessen. Der Verein war vor allem tätig, als das Gesetz zur Regulierung der Karrieren und der Besoldung der verschiedenen Berufsgruppen beim Staat verfasst wurde. Präsident ist J. Matheis, Sekretär P. Prussen, Kassierer F. Kimmel. 1998 wurden die Statuten dahingehend geändert, dass auch Pädagogen und Soziologen im öffentlichen Dienst Mitglieder der neugeschaffenen APPSSE werden können.
Im Jahre 1993 wurde die »Association luxembourgeoise d’études psychanalytiques » (ALEA) gegründet, die Psychologen und Aerzte vereinigt, die an der Psychoanalyse nach Freud und Lacan interessiert sind . Ziele sind u.a.: « d’affirmer la spécificité de la psychanalyse et d’étudier et de réinterroger la théorie freudienne et la lecture qu’en a donné Lacan dans le rapport à la pratique psychanalytique ». Das Büro der ALEA begreift : J. Catafago, G. Nilles, A. Michels, E. Molitor, E. Rauchs, R. Schmit und C. Thevenin. Im PSYNFO 60/61 (April-Juin 1995) wurde ein Brief der Psychologen der ALEA zum Thema « Psychologue spécialiste en psychothérapie » vs. « psychologue clinicien » veröffentlicht.
Vollständigskeitshalber sei noch auf das « Institut luxembourgeois de pensée systémique » hingewiesen, das Professionelle verschiedener Richtungen vereinigt u.a. auch Psychologen. Ziele sind der Austausch über die Auswirkungen einer systemischen Sichtweise in der Praxis und die Teilnahme an Veranstaltungen ausländischer Experten, wie etwa P. Watzlawick, J-P. Mugnier oder M. Selvini.
Zum Schluss soll kurz der 1997 neu entstandene Verein der Studenten
der Psychologie erwähnt werden, die « Association Luxembourgeoise
des Etudiants en Psychologie ». Die Idee für diese Vereinigung
entstand nicht zuletzt auf einem von der SLP organisierten Fest der Psychologie,
zu dem ebenfalls die Studenten eingeladen wurden. Der Versuch die Studenten
in die SLP zu integrieren, hätte wohl nie die Dynamik gebracht, die
die junge Vereinigung in kurzer Zeit an den Tag legte : Internet-Seite
(http://alep.onlineexpress.net) , Herausgabe der Zeitschrift « Dë
Psycho-lo ? », Organisation einer zweitägigen Konferenz im Oktober
1999 zum Thema : »Scientific Approach to Psychology : Mission Impossible
? ». Eine Brochüre über das Psychologiestudium im Ausland
ist in Vorbreitung. Vorsitzender ist zur Zeit : L. Kurtisi., Sekretär
B. Reuter.
3. Die Psychologenlaufbahn, der Psychologenstatut
und die Frage des Titelschutzes des Psychologen
Ueber die Regelung der Psychologenlaufbahn in einem Gesetz aus dem Jahre 1973 und die Versuche der ALPDU den Titel zu schützen, wurde bereits oben berichtet.
Im Jahre 1985 stand die Laufbahn des Psychologen beim Staat im Mittelpunkt der Diskussion. Am 22. Oktober 1985 schickte die SLP einen Brief zum Thema « Eliminination des cas de rigueur constitués par la structuration de la carrière du psychologue » an Staatsminister J. Santer. Am 23. Dezember 1985 gab es ein « Communiqué de presse des psychologues- fonctionnaires « mit dem Titel : « Harmonisation des conditions d’avancement ? Indignation générale des psychologues du secteur public. «
1986 lauteten die Titel der Generversammlungsberichte der SLP
in der Presse : “SLP befasst sich mit Berufsethik und Titelschutz »
oder »Psychologentitel soll geschützt werden ».
Im Bulletin der SLP im März und Oktober gab es zwei Texte
mit dem Titel : « Avant-projet de loi relatif à la reconnaisssance
et la protection du titre de psychologue. » Diesbezüglich gab
es auch zwei Treffen der SLP mit den Psychologen des OGBL und der APSE.
Am 14. Dezember 1987 schrieb die SLP an den Präsidenten des Staatsrates und am 22. Januar 1988 an den Gesundheitsminsiter wegen des « Projet de règlement grand-ducal déterminant la fréquence et les modalités des mesures et examens de médecine scolaire».
Vor den Parlamentswahlen 1989 schrieb die SLP , analog ihrer Kollegen in Frankreich, einen Brief mit präzisen Fragen zur Psychologie an alle Parteien. Nur A. Brasseur von der DP beantwortete den Fragebogen. B. Berg, J. Lahure und M. Reimen von der LSAP antworteten mit einem globalen Brief. W. Bourg von der CSV schrieb, eine Antwort auf die Fragen sei zur Zeit nicht möglich und vertröstete auf einen späteren Zeitpunkt.
Am 9. März 1992 erging ein Brief der SLP an den Staatsminister « concernant l’avant-projet de loi fixant les modalités de la reconnaissance et la protection du titre de psychologue ». Dieser antwortete am 19. März 1992, dass er den Brief an den Justizminister weitergeleitet habe. Der Text des « avant-projet » ist im Bulletin 44/45 der SLP nachzulesen (ein Zusatzvorschlag im Bulletin 52). Am 8. Mai 1992 fragt Gesundheitsminister J. Lahure, ob die SLP die Meinung teile, dass der Titelschutz des Psychologen in den Rahmen des Gesetzes der « professions de santé » fallen könnte. Am 10. November 1992 ersucht die SLP um eine Unterredung zu diesem Thema, die auch für den 7. Dezember 1992 gewährt wird. Am 2. März 1993 schreibt die SLP dem Gesundheitsminister und weist auf ihre Position hin : « eine hohe Qualität der Ausbildung des Psychologen und der Wunsch nach Unabhängigkeit des Berufsstandes » . Weiter wird ihm mitgeteilt, dass eine Arbeitsgruppe der SLP ihm einen Text unterbreiten wird, was auch am 31. Januar 1994 geschieht in der Form von Fragen die sich in diesem Zusammenhang stellen :
Concerne:
Avant-projet de règlement grand-ducal concernant le statut, les études, les compétences et attributions du psychologue-spécialiste en psychothérapie.
1) Qu'est-ce qu'un psychologue spécialiste en psychothérapie?
Le psychologue spécialiste en psychothérapie est à
considérer comme un professionnel académique de la santé.
Il travaille en toute indépendance et n'est pas à considérer
comme agent paramédical.
Les psychologues parlent de psychothérapie uniquement si
les méthodes appliquées sont fondées sur la psychologie.
Lers méthodes d'intervention principales sont le dialogue, l'exercice
et la relation.
Le but de toute intervention psychothérapeutique est la minimisation
de la souffrance, l'amélioration de la santé sous tous les
aspects de la personne, l'enrichissement de sa vie psychique et le
meilleur épanouissement possible dans un milieu socio-familial et
professionnel.
2) Quelle formation doit-il avoir accomplie?
2.1 Etudes de base:
Comme psychologue il a accompli avec succès pendant quatre
années au moins un cycle complet d'études universitaires
avec comme branche principale la psychologie (référence:
avant-projet de loi concernant la protection du titre de psychologue).
2.2 Formation supplémentaire:
Pour pouvoir exercer la fonction de psychologue spécialiste
en psychothérapie, le psychologue doit avoir accompli une formation
supplémentaire dans une des principales méthodes de la psychothérapie
fondées théoriquement ou scientifiquement et qui se sont
montrées efficicaces en application à différentes
formes de troubles psychiques.
La formation thérapeutique doit comprendre une analyse ou
thérapie didactique, des séminaires d'analyses de cas et/ou
des séances de supervision ainsi qu'une formation théorique
et méthodologique; ces unités de formation doivent être
assurées par des sociétés, instituts ou facultés
reconnus.
3) Quels sont son domaine d' intervention ou ses champs d'application?
Le domaine d'intervention du psychologue spécialiste en psychothérapie
s'étend de la prévention primaire à la réinsertion
socio-familiale et/ou professionnelle en passant par le large spectre de
la psychothérapie.
Le champ d'application des interventions psychothérapeutiques
englobe les troubles des fonctions partielles ou élémentaires
de la vie psychique, les troubles psychiques complexes classés selon
ICD-10 chapitre V (F) ou DSM-III-R/IV, les troubles neuropsychologiques,
psychophysiologiques, les troubles psychosociaux et interpersonnels ainsi
que les maladies chroniques.
4) Quelles sont ses compétences, aptitudes et attributions spécifiques?
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie établit
le diagnostic différentiel et multimodal; il détermine les
indications pour les interventions psychologiques de nature préventive,
curative ou rééducative.
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie
contribue à un diagnostic global s'il travaille dans le cadre d’une
équipe pluridisciplinaire et coopère avec les autres professionnels
de la santé, comme p. ex. le médecin traitant du patient.
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie élabore
un concept d'intervention sur la base de la biographie de la personne concernée,
de sa situation actuelle tout en considérant les modèles
étiologiques relatifs à des troubles spécifiques et
les résultats du diagnostic différentiel.
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie propose
des séances psychothérapeutiques individuelles ou d’autres
mesures appropriées.
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie choisit,
applique et évalue des méthodes d'interventions efficientes
et appropriées pour un type de troubles précis.
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie évalue
les effets secondaires en relation avec les interventions appliquées.
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie sait
mener une relation thérapeutique spécifique selon le concept
d'intervention établi.
- Le psychologue spécialiste en psychothérapie évalue
sa propre relation socio-émotionnelle et son comportement envers
autrui, spécialement lors des séances psychothérapeutiques.
5) Qui décide de la reconnaissance et de la radiation d'un psychologue comme psychologue spécialiste en psychothérapie?
Le conseil prévu au chapitre Il, de l'avant-projet/proposition de la loi fixant les modalités de la reconnaissance et de la protection du titre de psychologue examine le dossier des candidats et établit son avis qui est adressé au candidat. Le candidat décide si sa demande accompagnée de l'avis du conseil doit être ou non transmis au Ministre de la Santé.
6) Est-ce- que les interventions des psychologues spécialistes en psychothérapie sont remboursables?
Le psychologue spécialiste en psychothérapie est reconnu par la sécurité sociale et les caisses de maladie; les honoraires payés par le patient sont remboursés selon un taux à établir.
(texte rédigé pour la SLP par G. Louis et L. Nicolay)
Was die weiteren Stellungnahmen der SLP zu diesem Thema anbelangt, sei auch noch auf die Briefe vom 30. August 1997 und 12. Juli 1999 hingewiesen (siehe unten).
Am 19. März 1993 schrieb die SLP wiederum an Staatsminister J. Santer, um ihm mitzuteilen, dass der Justizminister noch nichts wegen der Titelfrage unternommen habe und am 25. Oktober 1993 fragt sie eine Unterredung an. Nach einem Treffen mit Minister M. Fischbach (Justiz und Erziehung) verlief das Ganze praktisch im Sand. Innerhalb der SLP waren nicht genug Psychologen, die bereit waren die nötigen weiteren Schritte , wie z.B. Treffen mit den verschiedenen Parlamentsfraktionen oder Parteien, zu unternehmen. Jeder war im Prinzip einverstanden, dass der Titelschutz eine nützliche und erforderliche Sache sei, es waren aber zu wenige direkt davon praktisch betroffen, da die meisten Psychologen direkt oder indirekt vom Staat finanziert wurden.
Festzuhalten bleibt zum Schluss noch eine Diskussion zwischen den
Gewerkschaften, dem Erziehungsministerium und den Psychologen, die sich
um die Orientierung der Schüler des 6. Schuljahres kümmerten
(Anfang 1997).
4. Psychotherapeutenfrage
1988 : die Gründung der SLPCP
Nach der Gründung der SLP im Jahre 1985 wurde eine Arbeitsgruppe « Psychotherapie » ins Leben gerufen. 28 Psychologen interessierten sich für diese Gruppe. Man traf sich regelmä?ig bis etwa 1988 in den Räumlichkeiten des Planning Familial. Einige Berichte von J. Meyer im SLP-Bulletin zeugen von diesen Treffen, bei denen es um eine Bestandsaufnahme, Erfahrungsaustausch, Öffentlichkeitsarbeit, Fragen der Deontologie und eventueller Zusammenarbeit mit den Krankenkassen ging.
Anfang 1988 gründeten einige Mitglieder der SLP, die psychologisch und auch psychotherapeutisch tätig waren, die "'Association pour la propagation de la psychologie clinique a.s.b.l.", die im April 1991 in "Société Luxembourgeoise de Psychologie Clinique et de Psychothérapie a.s.b.l. (SLPCP)" umgetauft wurde. Hauptziel der Vereinigung ist die Verbreitung der verschiedenen Methoden der klinischen Psychologie und der Psychotherapie.
Die SLPCP war als Ergänzung der SLP gedacht, und konnte das SLP-Bulletin regelmä?ig als Sprachrohr benutzen. Die Vereinigung hatte den Zweck einer eigenständigen Vertretung der psychotherapeutisch Tätigen. Die Eigenart der SLPCP ist die Vereinigung von Psychotherapeuten verschiedenster Richtung (analytisch, personenzentriert, verhaltenstherapeutisch, systemisch, ... ). Mitglieder können nur Akademiker mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung (Theorie, Technik, Eigentherapie, Supervision) werden. Die Hauptaufgabe der SLP seit ihrem Bestehen bestand im Versuch einen adäquaten schulübergreifenden Standard für Psychotherapieausbildungen durchzusetzen, dies zum Schutz der Klientel vor unseriösen Angeboten. Ein weiteres Bestreben war die Anerkennung der Ausbildung zum Psychotherapeuten durch die öffentliche Hand und die spätere Rückerstattung der Therapiekosten durch die Krankenkassen. Von 1988-1997 war A. Groff Präsident, L. Nicolay Schriftführer und M. Hoffmann Kassiererin. Letztere übernahm ab 1997 die Präsidentschaft der Vereinigung.
Die SLPCP erstellte regelmä?ig eine Liste der ihr angeschlossenen und ihren Standards genügenden Mitglieder (z.B. im SLP-Bulletin 46 vom Oktober 1992).
Was die Verhandlungen mit den Aerztevereinigungen und dem Gesundheitsministerium in punkto Psychotherapeutenstatut betrifft, stellte die SLPCP einen der Verhandlungspartner dar. Die SLP hatte sich ja nicht auf eine Diskussion über das Statut des Psychologen unter dem « Professions de santé»-Gesetz eingelassen und hatte lediglich einige Fragen aufgeworfen (siehe oben, Brief vom 31. Januar 1994). Diese Gespräche, von denen unten die Rede sein wird, hätten in Kürze abgeschlossen sein sollen, waren es aber Ende 1999 noch immer nicht.
In Punkto Vertretung der qualifizierten, in Luxemburg tätigen,
Psychotherapeuten, muss man ein dreifaches Scheitern der SLPCP feststellen
:
1. Die Zahl der Mitglieder der SLPCP stagnierte sehr bald und kam
über 16 (14 Psychologen, 2 Aerzte) nie hinaus. Da die Zahl der qualifizierten
Therapeuten sich in den letzten Jahren aber vervielfacht hat, und jüngere
Kollegen kein Interesse an der Mitgliedschaft bekundeten, kann von Repräsentativität,
wie Ende der 80er Jahre, nicht mehr die Rede sein.
2. Der Vorteil schulenübergreifend zu sein, verhinderte
nicht, dass sich im Laufe der Zeit Vereinigungen der verschiedensten Richtungen
offiziell bildeten und jede von ihnen mehr Mitglieder haben, als
die SLPCP insgesamt. Das Statut eines informellen Dachverbandes kann die
SLPCP somit ebenfalls nicht beanspruchen.
3. Die SLPCP vertritt in den erwähnten Verhandlungen mit dem
Ministerium eine extrem konziliante Position gegenüber den Aerzten,
die von keiner der anderen Vereinigungen mitgetragen wird. Von kritisch
bis extrem kritisch fallen deren Stellungnahmen aus (siehe unten). Die
SLP lehnt die Diskussionen in diesem Rahmen ab, wie schon 1994, und fordert
in ihrer Stellungnahme im Jahre 1999 ein eigenes Gesetz für Psychologen,
die therapeutisch arbeiten, wie das auch im Ausland der Fall ist. Diese
Diskussion führte Ende 97, Anfang 98 zu Meinungsverschiedenheiten
in der SLPCP, der SLP und zwischen beiden, mit den bereits erwähnten
Konsequenzen.
Die Psychotherapeutenfrage nach 1990 : Briefverkehr und Stellungnahmen
Im April 1991 veröffentlichte die SLP eine erste Liste therapeutisch tätiger Mitglieder . Im September des gleichen Jahres wurden unter dem Thema « Psychotherapie in Europa » der Stand und die Perspektiven gesetzlicher Reglungen in verschiedenen Ländern publiziert. Ueber den 92er Vorschlag des Gesundheitsministers betreffend das Gesetz « loi du 26 mars 92 sur l’exercice et la revalorisation de certaines professions de la santé » und die Reaktionen der SLP wurde bereits im Kapitel über den Titelschutz berichtet.
Am 13. Januar 1993 schrieb der SLP-Präsident an den Gesundheisminister und schlug R. Thillman und A. Groff als Mitglieder im « Groupe permanent chargé de l’élaboration d’un programme pluriannuel de concrétisation des réformes envisagées dans les secteurs de la psychiatrie hospitalière et extrahospitalière. » Am 28. Januar erfolgte die erste Einladung. Der « Rapport intermédiaire du groupe de travail ‘Ambulante Versorgung ‘ der « Commission Ministérielle Réforme de la Psychiatrie » hielt u.a. fest, dass » …pour éviter une action thérapeutique erronée : les psychologues interviennent selon leur formation au stade du diagnostic ou dans la prise en charge psychothérapeutique. » Dies stellt eindeutig die wichtige Rolle der Psychologen im therapeutischen Bereich dar.
In der Nr 49 des SLP Bulletin im Mai 1993 wurden verschiedene
Grundsatzfragen als Diskussionsbasis zum Thema Klinischer Psychotherapeut
bzw. Klinischer Psychologe gestellt :
- Was zuerst regeln ? Titelschutz Psychologe oder Spezialgebiet
(Klinischer Psychologe) ?
- Klinischer Psychologe oder psychologischer Psychotherapeut ? Einschränkung
des polyvalenten Berufes des Psychologen ?
- Psychotherapie im Delegationsverfahren : Ja oder nein ?
- Regelung für einen eingeschränkten oder erweiterten
Kreis ? Bedürfnisse ?
- Gleiche Uebergangsbestimmungen für Angestellte und privat
Praktizierende ?
- Zusammenarbeit mit der Krankenkasse – Recht oder Pflicht ? Wahlmöglichkeit
?
- Wer bestimmt über die Zulassung ? Psychologen, Aerzte, Juristen
?
In der gleichen Nummer wurden die Mindeststandards der SLPCP betreffend Theorie, Technik, Selbsterfahrung, Supervision und Fortbildung vorgestellt. Von einer Mindestdauer von 3 Jahren und 200 Stunden Theorie und Technik war 1988 die Rede, 1993 wurden bereits über 1000 Stunden Ausbildung inklusive einer Eigentherapie von mindestens 50 Stunden gefordert.
In der 93er Generalversammlung der SLPCP wurden folgende Richtlinien
einstimmig angenommen :
1. Es besteht grundsätzliches Interesse an einer Zusammenarbeit
mit dem Gesundheitsministerium. Es sollte weiter am Thema gearbeitet werden,
allerdings sollte es zu keinem Verhandlungsabschluss kommen, bevor der
allgemeine Psychologentitel gesetzlich geschützt ist. Die SLPCP ist
der Meinung, dass die Frage für oder gegen ein Delegationsverfahren
auch erst nach der genannten gesetzlichen Titelschutzreglung entschieden
werden soll.
2. Zum « avant-projet de loi concernant la protection du titre
de psychologue » wünscht die SLPCP einen Zusatz, der besagt,
dass ein Zusatzstudium zum Psychologiestudium, das Erlangen des Titels
« psychologue spécialiste en … » z.B. « en psychothérapie
» ermöglicht. Die therapeutische Zusatzausbildung soll also
anerkannt werden und nicht die Tätigkeit als klinischer Psychologe,
da die klinische Psychologie Teil der allgemeinen Ausbildung zum Psychologen
ist.
3. Was die Kriterien zur Erlangung eines Spezialistentitels anbelangt,
sollen sie vergleichbar sein mit denjenigen in anderen europäischen
Ländern.
4. Als Übergangsbestimmungen könnten die Richtlinien der
SLPCP eine Zeit lang gelten.
Drei Briefe aus dem Jahre 1994 seien hier erwähnt :
Die SLP schrieb am 22. März 1994 an Minister Lahure betreffend den Abschlussbericht der Psychiatriereform : « Nous vous remercions d’avoir associé deux membres de la SLP aux travaux de certains groupes de travail. Toutefois nous ne pouvons accepter le texte comme tel. En effet, à l’encontre des versions élaborées par les groupes de travail auxquels participèrent nos membres, la fonction et les attributions du psychologue ne sont plus mentionnées ni dans le cadre des infrastructures de jour ni celui de la psychiatrie hospitalière ou extrahospitalière. » Das Ministerium antwortete durch Regierungsberater M. Reimen mit « étonnement » und stellte eine « attitude déroutante « seitens der SLP fest !
Am 23.3.94 schrieben die SLPCP gemeinsam mit der LGIPA (« Letzebuerger Gesellschaft fir Individualpsychologie nom Adler » und der GPF (« Gesellschaft fir wëssenschaftlech Psychotherapie a Forschung ») an Gesundheitsminister Lahure und unterstrichen, dass sie sich ganz hinter den am 31. Januar 1994 an ihn von der SLP geschickten Fragenkatalog stellen würden, stellten ihre respektiven Richtlinien vor und fügten eine Liste der Mitglieder hinzu, die die SLPCP-Richtlinien erfüllten.
In der Novembernummer 1994 der SLP veröffenlichte die SLPCP einen von L. Nicolay verfassten Beitrag unter dem Titel « Psychologische Psychotherapie als anerkannte Behandlungsform etablieren » . Hier einige Auszüge aus diesem Text :
Die Psychologische Psychotherapie als anerkannte Behandlungsform
gesetzlich zu verankern ist die unmissverständliche Forderung der
"Société Luxembourgeoise de Psychologie Clinique et de Psychothérapie“.
… Seit ihrer Gründung vertritt die SLPCP hohe Quatifikationsstandards
für psychologische Psychotherapeuten.
Dem Gesundheitsminister sind die SLP-Kriterien zugestellt worden.
Leider, muss jedoch festgestellt weiden, dass nur wenige ärztiche
und nicht-ärztliche Psychotherapeuten die Minimal-Kriterien erfüllen.
Die jungen Psychologen ziehen eine 'sichere' Karriere z.B. im Staatsdienst
einer "liberalen" Berufsausübung vor. Sie scheuen, zeit- und kostenintensive
langjährige Zusatzausbildungen in Psychotherapie; ein Grund dafür
ist sicherlich, dass die Ausübung des Berufs eines "psychologue
spécialiste en psychothérapie" nicht gesetzlich verankert
ist, und dass Personen mit psychischen Problemen Psychotherapie von den
Krankenkassen nur dann rückerstattet wird, wenn sie von einem Arzt/Psychiater
vorgenommen wird. …
Die klinisch- psychologische und psychotherapeutische Fachkompetenz
ist dringend in die Gesundheitsversorgung Luxemburgs zu integrieren. Psychologische
Fachkompetenz ist als eigenständiger Bereich in der (präventiven
und kurativen) Gesundheitsversorgung anzusehen. Natürlich hat das
bestehende Luxemburger Gesundheitswesen den Anspruch, allen erkrankten
Personen eine angemessene Behandlung zukommen zu lassen; dass dieses Ziel
auch erreicht wird, dazu möchte die SLPCP beitragen.
Zur Zeit der heute noch geltenden Gesetzgebung war der wissenschaftliche
Kenntnistand ausschließlich auf die körperliche Seite einer
Erkrankung ausgerichtet. Entsprechend waren die Ärzte - die bei diesem
Erkenntnistand zuständige Berufsgruppe - der Behandler.
Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen und des wissenschaftlichen
Fortschritts wurde dem Zusammenhang von körperlicher Erkrankung und
psychischen Bedingungen immer mehr Rechnung getragen.
Es ist daher erstaunlich, dass trotz dieser wissenschaftlichen Entwicklung
unser Gesundheitswesen heute noch die psychische Seite einer Erkrankung
in der Behandlung grob vernachlässigt. So ist es immer noch ausschließlich
die Berufsgruppe der Ärzte, die sich verantwortlich auch um die seelische
Erkrankung bemühen soll, obwohl sich ihre Ausbildung fast ausschließlich
mit der körperlichen Seite des Menschen befasst.
Die häufig gegebene psychische (Mit-)Bedingtheit körperlichen
Leidens (z.B. Rheuma, Herzbeschwerden, Asthma, Allergien) ist zwar landläufig
bekannt, dennoch wird einseitig somatisch behandelt. Durch Eingriffe, die
sich lediglich am Symptom orientieren, lässt sich dieses Krankheitsgeschehen
aber kaum kurieren.
Als Reaktion auf die immer komplexer werdenden Bedingungen gesellschaftlichen
Lebens hat sich die Wissenschaft der Psychologie entwickelt, deren Kompetenz
jedoch - zu Lasten der psychisch Erkrankten - bislang keinen Eingang in
eine gesetzliche Regelung gefunden hat.
So wird die hochqualifizierte Berufsgruppe der akademischen Psychologen
mit Zusatzausbildungen in einem oder mehreren Verfahren der Psychotherapie
den Erkrankten vorenthalten.
Mehr angewandte Psychologie im Gesundheitswesen hätte zur Konsequenz
- weniger Medikamente
- weniger Fehlbehandlungen
- weniger chronifiziefte organische Erkrankungen
und wäre damit ein entscheidender Beitrag zur Kostendämpfung
in unserem Gesundheitswesen.
…
Die Psychotherapeutenfrage nach 1995 : Die Arbeitsgruppe mit Vertretern der Ministerien, des Collège médical und der SLPCP
Anfang 1995 fand das Thema Psychotherapie ein gewisses Echo in der Presse. So z.B. : Im Februar ist die Titelgeschichte der Luxpost dem Thema « Gespräch als Therapie » gewidmet. Am 9.3.95 erscheint im Lëtzebuerger Land ein längerer Artikel zum Thema « Aufwertung der Psychotherapie » und es geht um « objektive Kriterien zur Bewertung der Professionalität » oder um die Frage « Therapie derzeit ein Privileg Bessergestellter ? ». « Der psychologische Psychotherapeut bald als Gesundheitsberuf » hie? ein Titel im Luxemburger Wort am 22.4.95.
Im gleichen Monat traf eine Delegation der SLPCP den Gesundheitsminister J. Lahure und eine Arbeitsgruppe von SLPCP-Mitgliedern und Herr Consbruck vom Ministerium erarbeiteten einen Text. Dieser wurde im Dezember 1995 publiziert im SLP-Bulletin (« Avant-projet de règlement grand-ducal concernant le statut, les compétences et attributions du psychothérapeute au Grand-Duché de Luxembourg »), nachdem er von Herrn Berend, Jurist des Gesundheitsministeriums gutgehei?en worden war. Im PSYNFO vom Februar 1996 ist ein weiterer Text der SLPCP zum Thema « Les conditions pour devenir psychothérapeute au Luxembourg » zu lesen, ebenso wie Texte über die Lage in Belgien und Holland. Im darauffolgenden PSYNFO wurde ein weiterer Vorschlag der GPF für die Ausbildungskriterien vorgestellt.
Nach einer Nachfrage seitens der SLPCP (1. März 1996), lie? der Gesundheitsminister den SLPCP-Vorstand in einem Brief vom 12. März 1996 wissen, dass der diesbezügliche « projet de règlement » in Kürze den kompetenten Instanzen vorgelegt werden wird. Am 5. Juni 1996 bedankte sich die SLPCP für dieses Schreiben, wies aber ebenfalls auf die Problematik der Mehrwertssteuer hin, die sich neuerdings bei einigen privat praktizierenden Kollegen stellte.
Am 7. November 1996 hielt die SLPCP eine au?ergewöhnliche Generalversammlung
ab. Dies nachdem das Gesundheitsministerium am 16.Oktober 1996 eine Versammlung
einberufen hatte, an der MisiterJ. Lahure, die Herren Bosseler, Consbruck
und Scharll vom Ministerium, die Herren Frisch, Hastert, Jacoby und Mart
vom « Collègue médical » bzw. der Aerztevereinigung
(AMMD) teilnahmen und von seiten der SLPCP M. Hoffmann und A. Groff. Es
wurde festgehalten, den Beruf des Psychotherapeuten zu schaffen, mit einer
qualitätsmä?ig hohen und spezifischen Ausbildung. Weiter wurde
die Zusammenarbeit mit den Aerzten und die Schaffung einer Arbeitsgruppe
beschlossen, die bis Anfang 1997 einen neuen Text ausarbeiten sollte. In
der Generalversammlung der SLPCP wurden folgende Punkte beschlossen :
1. Delegationsverfahren und direkte Anfrage des Klienten als mögliche
Wege
2. Wenn Delegation, dann Verschreiben von Psychotherapie ohne weitere
Details
3. Alle Aerzte , auch Generalisten, nicht nur Psychiater können
Psychotherapie verschreiben
4. Psychotherapeutische Professionelle müssen Ausbildungskriterien
erfüllen, die denen der SLPCP nahe liegen
5. Uebergangskriterien = SLPCP Kriterien
Am 13. Juni 1997 fand die nächste ordentliche Generalversammlung der SLPCP statt. Wegen Uneinigkeit über die weitere Vorgehensweise tritt A.Groff als Präsident zurück und wird in der Arbeitsgruppe durch G.Pregno ersetzt.
Am 30. August 1997 schickte die SLP eine neue Stellungnahme an den Gesundheitsminister :
EXERCICE DE LA PROFESSION DE PSYCHOLOGUE-PSYCHOTHERAPEUTE AU GRAND-DUCHE DE LUXEMBOURG : Prise de position de la Société Luxembourgeoise de Psychologie
Dans le cadre des discussions sur l'avant-projet du règlement concernant l'exercice de la profession de psychothérapeute, la Société Luxembourgeoise de Psychologie tient à s'exprimer sur ce sujet.
Réflexions générales
Les demandes de consultations psychologiques et/ou de prises en charge
psychothérapeutiques augmentant continuellement,nous sommes très
positifs face à une réglementation de la profession du psychologue-psychothérapeute,
que nous estimons urgente et nécessaire.
En effet, les psychiatres seuls ne parviennent plus à répondre
à toutes les demandes. La nécessité d'une ouverture
s'impose, ainsi que cela a été notifié dans les textes
traitant de la réforme de la psychiatrie au Grand-Duché (cf
étude Häffner réalisée à la demande des
pouvoirs politiques). Il s'agit en outre de la régularisation d’une
situation existante déjà de fait. En effet, de nombreux psychologues
qualifiés et formés à la psychothérapie, travaillent
déjà dans ce domaine et aboutissent à des résultats
concluants. Une collaboration fructueuse s'est établie avec grand
nombre d'autres professionnels, dont beaucoup de médecins.
La reconnaissance du titre de psychologue – psychothérapeute
- formation de base requise : le psychologue diplômé
ayant fait des études universitaires d'un cycle complet d'au moins
4 ans, la psychologie étant la branche principgle
- lieu de la formation en psychothérapie : le titre est délivré
par un institut de formation spécifique luxembourgeois ou étranger
agrée par le Ministère de l’ Education Nationale à
Luxembourg.
- contenu et volume de la formation du psvçhologue-psychothérapeute
: le titre est délivré à l'issue d'une formation qui
requiert : une formation théorique et pratique dispensée
par un institut de formation agrée par l'Etat luxembourgeois dans
un courant psychothérapeutique reconnu en tant que pratique thérapeutique.
Cette formation s'étendra sur au moins 1000 heures de formation
qui inclueront :
1. l'étude des concepts théoriques
et de la méthodologie
2. une supervision en groupe et/ou individuelle,
par un psychothérapeute expérimenté et
reconnu
3. un travail sur le développement
personnel du thérapeute.
Ces différents volets de la formation
ne devront pas nécessairement se situer dans un même
courant psychothérapeutique, mais
ne pourront pas faire partie de plus de trois courants
différents. Aucun des trois volets
précités ne devra être inférieur à 10%,
c. à d. à 100 heures.
En plus de ces mille heures de formation
seront requis :
1.une expérience professionnelle
d'au moins deux ans
2.une expérience professionnelle
thérapeutique pendant le temps de la formation dans un lieu
où exercent un
ou plusieurs psychothérapeutes expérimentés
3.une formation continue permanente après
l’obtention du diplôme de psychologue-
psychothérapeute.
Toutefois il nous importe de préciser qu'il ne convient pas
de confondre psychiatrie et psychothérapie, l'exercice de la
psychothérapie visant des domaines beaucoup plus variés que
la psychiatrie ambulatoire ou résidentielle.
L'exercice de la psychothérapie ne doit pas être lié
au principe de la délégation médicale (par un
médecin généraliste ou spécialiste), mais le
client en fera sa demande directement au psychothérapeute de son
choix.
Die SLP wiederholte also nochmals in diesem im PSYNFO Nr 74-75 (September
97) publizierten Brief, dass sie gegen das Delegationsverfahren ist
und dass der Klient frei entscheiden können muss. Im Editorial derselben
Nummer werden verschiedene Aspekte der Vorschläge der Psychiater in
Frage gestellt :
1. Minimum von 500 Stunden Eigentherapie, wie etwa in der Psychoanalyse
üblich.
2. Ein Jahr Praktikum in der geschlossenen Psychiatrie
3. Ein Supervisor muss obligatorisch ein Psychiater sein
4. Ueberweisungen exklusiv durch den Psychiater
Im PSYNFO Nr 76 befindet sich ein Brief der SLPCP an die SLP (9. Oktober 1997) zum Thema Psychotherapeutenanerkennung, in der darauffolgenden Nummer die Antwort der SLP an die SLPCP. Im PSYNFO Nr 76 ist ebenfalls eine ausführliche kritische Stellungnahme zu dem Entwurf der Arbeitsgruppe « Exercice de la profession de psychothérapeute » vom 10. Juni 1997 von seiten der LGIPA zu lesen. Im Fazit wird u.a. festgehalten, dass eine Gefahr bestünde, dass der Entwurf kontraproduktiv wirken könne. » .
Zu den Verhandlungen mit dem Ministerium ist zu bemerken, dass sie viel länger dauerten als ursprünglich angenommen und dass die Arbeiten, wie bereits erwähnt, noch immer nicht abgeschlossen sind. Dies erklärt sich zum Teil durch die Beteiligung des Erziehungsministeriums an den Verhandlungen, um das Projekt durch die Anerkennung der Diplome national und im europäischen Kontext abzusichern.
Im Laufe des Jahres 1999 gelangten einige kritische Stellungnahmen zum « Avant-projet de règlement grand-ducal déterminant les conditions d’accès aux études et les conditions d’obtention du diplôme d’Etat de psychologue-psychothérapeute » an das Unterrichtsministerium. Von Seiten der Psychologen waren es die beiden Vereinigungen , die schon selbst Ausbildungen organisierten (LGIPA, GPF) , sowie die SLP und die Studentenvereinigung ALEP.
1. a) LGIPA (20. September 1997) : Es werden Fragen aufgeworfen wie
: Ist der psychologische Psychotherapeut ein Psychiater ? Was tut ein Psychotherapeut
wozu bei wem ? Dazu wird spezielle Kritik am Text geübt und kritische
Ueberlegungen zur Diagnostik und Indikationsstellung in der Psychotherapie
angeführt.
b) LGIPA (13. November 1998) :
Es werden zwar Aenderungsvorschläge für den vorliegenden
Text gemacht, aber auch darauf hingewiesen, dass der Text keine Verbesserungen
gegenüber dem Text vom 10. Juni 1997, der ausführlich von der
LGIPA kritiziert wurde, beinhaltet. Nicht Delegation sondern Kooperation
zweier autonomer Berufe soll angestrebt werden.
2. ALEP (8. Februar 1999) : Anfrage für Termin beim Unterrichtsministerium
– Text ohne Datum mit folgender Kritik : Praktikum beschränkt sich
zu sehr auf die Psychiatrie, bei der Definition wird die Effektivität
der Therapie nicht berücksichtigt, keine explizite Trennung zwischen
Psychiatern und Psychotherapeuten …
3. GPF (5. April 1999): Nach einigen generellen Ueberlegungen werden
folgende Kritiken vorgebracht : « Psychiatrisierung » von persönlichen
Problemen, Vermischung von Berufsfeldern, Bevormundung durch die
Psychiater, keinerlei Qualitätskontrollen, keine deontologischen Fragen,
Delegationsfrage ungelöst. Zum Schluss werden einige Unstimmigkeiten
aus dem vorliegenden Text bemängelt. Die GPF lehnt den Text als
in der vorliegenden Form inakzeptabel ab.
4. SLP (12. Juli 1999) :Der Text versucht zuerst eine kohärente
Definition des « psychologue-psychotherapeute» zu finden und
beruft sich auf die gesetzliche Lage in Deutschland (Gesetz vom 27. November
1999). Dann wird gefragt, ob der modifizierte Gesetzestext vom 26. März
1992 anwendbar ist. Es wird von Illegalitäten im Text gesprochen und
ein spezifisches Gesetz wird gefordert. Zum Schluss wird der vorliegende
avant-projet kurz analysiert . Der Text würde mehr Probleme schaffen
als lösen, darum wird er abgelehnt.
Als weitere Stellungnahmen schrieb der Gesundheitsminister G. Wohlfart
an Unterrichtsminster E. Hennicot : « cet avant-projet de règlement
grand-ducal ne donne lieu à aucune observation de ma part ».
Der « Conseil supérieur de certaines professions de santé
» schrieb, dass er mit der Anerkennung des Berufes des «
psychologue-psychothérapeute » einverstanden sei, aber
hielt fest, dass « les prestations de ces professionnels ne devraient
pas être subordonnées à une prescription médicale,
mais la profession devrait être en mesure d’assurer une auto-gestion
autonome ». Weiter wird erklärt, dass die Psychologen nicht
die einzigen Professionellen sind, die in multidisziplinären
Teams in der institutionellen Psychotherapie tätig sind, die Bezeichnung
nicht ideal und die Uebergangsbestimmungen vage seien .
Der collègue médical schrieb am 9. Dezember 1998 mit
dem Text einverstanden zu sein, mit der Reserve, dass die Psychotherapie
ein Teil der Medizin bleibe. Im Kontext der Aktivitäten der «
activités d’équipe extra-hosptalière » scheint
dies gesichert. Bei einer liberalen Aktivität des diplomierten «
psychologue-psychothérapeute, müsste eine « prescription
ou ordonnance psychiatrique » eines Neuropsychiaters oder Psychiaters
vorliegen.
Die « Société luxembourgeoise de psychiatrie,
neurologie et psychotherapie » schrieb ihrerseits am 9. Juli 1999,
dass sie noch immer mit dem vorliegenden Text einverstanden sei, dass aber
die widersprüchlichen Texte der psychologischen Vereinigungen die
Frage aufwerfen lässt, ob die Zeit für eine Evolution in dem
erarbeiteten Sinne, die sie weiter bereit wäre zu unterstützen,
reif sei.
Auf der Versammlung am Ministerium am 14. Juli 1999 wurde festgehalten, dass sich die verschiedenen psychologischen Vereinigungen zusammensetzen sollten und sich auf einen Text einigen sollten und bis zum Herbst 1999 einen offiziellen und konstruktiven Vorschlag machen sollten. Ansonsten würde die Arbeitsgruppe annehmen « qu’il n’y a plus de demande et remettra le mandat lui confié par M. Lahure, ministre de la Santé à l’époque et à l’origine du groupe de travail. »
Erreicht wurde bis jetzt der Konsens, seitens der Minsterien, der
Aerzte, Psychiater, Psychologen und Therapeuten, dass eine Regulierung
der qualifizierten Ausübung der Psychotherapie durch die Psychogen
wünschenswert sei. Eine Detailregelung steht noch aus und keiner will
sie um jeden Preis. Ein Zusammenkommen aller psychologischen Vereinigungen
kam bis Anfang Dezember 1999 nicht zu Stande.
5. AUSBLICK
Wie bereits anfangs erwähnt, sollte dieser Rückblick nicht
dem Anspruch einer historischen Rekonstruktion gerecht werden. Diese
Aufgabe wird noch zu erledigen sein. Wie sich die Problemlagen entwickelten,
die Schwerpunkte änderten bis hin zu den klinisch psychologischen
und therapeutischen Fragen der 90er Jahre, wie sich verschiedene Aspekte
inhaltlicher oder zwischenmenschlicher Art wiederholten, all dies festzuhalten,
wenn auch bewusst subjektiv, scheint vor allem für jüngere Kollegen
nicht unnütz. Dieses Jahrhundert brachte in Luxemburg weder den Psychologen,
noch den psychologischen Psychotherapeuten einen offiziellen Titelschutz,
aber ihre nützliche Arbeit, ihr Stellenwert zum Wohle der Menschen,
für die sie arbeiten und ihre allgemeine Anerkennung in unserer
Gesellschaft sind nicht zu verkennen. Die Psycho-Therapie ist eine
Therapie, die nicht nur sehr hohe menschliche Qualitäten verlangt,
sondern auch eine spezifische Ausbildung in ihren lehr- und lernbaren
psychologischen Methoden. Um dem Hilfesuchenden eine qualitativ bestmögliche
Therapie zu garantierten, sollte in Zukunft die Anerkennung dieser Ausbildung
als Grundkriterium der Ausübung des Berufes des Psychotherapeuten
dienen und nicht irgendwelche Standesinteressen, Monopole oder Privilegien.