ETHIK, ETIKA und GELDVERMEHRUNG

Als äußerst unethisch finde ich die Tatsache, dass die luxemburgische « Initiativ fir Alternativ Finanzéierung » bekannt als ETIKA auf dem Deckel ihres letzten «Rapport - Compte Epargne Alternative» schreibt: «Faites travailler votre argent en rapport avec vos idées». Im gleichen Bericht steht, dass die Kontoinhaber ihr Geld sozial verantwortlich anlegen mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt und die Gemeinschaft und mit Charakteristika  wie u.a. Solidarität. Ich hoffe, dass die genannte Tatsache nur einem unbedachten Lapsus zuzuschreiben ist, sonst wäre es in die gleiche Kategorie einzureihen, wie wenn kriegstreibende Staatsmänner propagandistisch-manipulativ über Frieden und Demokratie reden. Aber warum soll diese Geldvermehrung überhaupt unethisch sein ?

Traditionelle Banken werben doch öfters mit Sätzen wie «Lassen sie ihr Geld für sich arbeiten» und hoffen damit neue Kunden zu locken. Nur in Wirklichkeit kann ihr Geld gar nicht für sie arbeiten. Wenn sie nach einer gewissen Zeit mehr Geld auf ihrem Konto haben, so stammt dieser Zuwachs von anderen Leuten, die sozusagen für sie gearbeitet haben.  Das Geld, was sie mehr haben, hat ein anderer Mensch weniger. Das mehr an finanzieller Freiheit, das sie genießen können, verliert ein anderer an Freiheit und möglicherweise hätte der diese viel nötiger als sie.

Mancher Bürger fragt sich, warum Arbeitslose nicht arbeiten, warum aber möglicherweise Aktienbesitzer nicht arbeiten, fragt sich kaum einer. Inkonsequent ist es auch sich über wachsende Armut zu beklagen, gleichzeitig aber Finanzjongleure anzuhimmeln, nur in der wagen Hoffnung ebenfalls einmal zu den Gewinnern zu zählen. Die Tätigkeit dieser Spekulanten nennt ein deutscher Bundestagsabgeordneter in seinem neuesten Buch «legalisierter Diebstahl fremder Arbeitserträge». Zinsprofiteure nehmen oft Geld von armen Menschen, die keine andere Wahl haben als sich zu verschulden. Tagtäglich fließt eine Menge Geld von den Armen zu den Reichen und die Schere öffnet sich immer weiter. Eine Hauptursache ist der Mechanismus von Zins und Zinseszins, der eine Art umgekehrte Entwicklungshilfe der Ärmeren an die Reichen bewirkt. Die meisten Menschen glauben selbst Profiteure des Zinssystems zu sein , insofern sie keine größere Schulden haben, da sie ja Zinsen auf ihren Sparguthaben erhalten. Sie vergessen dabei, dass in so gut wie allen Preisen der Waren und Dienstleistungen im Durchschnitt 40% Zinsen mitverrechnet werden. Zusätzlich ist jeder Bürger als Steuerzahler an den Zinszahlungen der Staatsausleihen beteiligt. Dies erwirkt, dass etwa 80% der Menschen direkt oder indirekt unter dem Strich mehr Zinsen zahlen als sie erhalten. In der neoliberalen Weltanschauung hat das Recht des Kapitals auf Zinserträge Vorrang vor allen Gemeinschaftsaufgaben, Vorrang vor dem Recht der Kinder auf eine gute Ausbildung und vor dem Recht von Millionen Menschen aus der dritten Welt auf ein Leben in Würde. Der letzte Euro eines Sozialhilfeempfängers wird eher auf den Prüfstand gestellt als der milliardste Euro eines Vermögensbesitzers. Der freie Autor Roland Rottenfußer meint dazu, dass es statt Brot für die Bedürftigen, Belehrungen über versäumte Eigenverantwortung gäbe und dass man den Mäusen zu einer Fastenkur raten würde, um den Elefanten bis zum Überdruss mästen zu können.

Zum Abschluss möchte ich sagen, dass ich es bedauerlich finde, dass Konsumenten oft erst zu spät merken, dass sie den Ast auf dem sie sitzen selbst absägen, wenn sie auf reißerische Slogans wie «Geiz ist geil» oder «Lassen sie her Geld für sich arbeiten» hereinfallen.
 

                                                                                                                  Alfred Groff, Bertrange