Wie im Kommunismus ?


oder „Der Staatsapparat und seine Beamte entscheiden über die Köpfe ihrer entmündigten Bürger hinweg ?“ Ich will mich dieser Frage anhand einiger Beispiele stellen.

Da ist ein Schüler der vor der Entscheidung seiner schulischen Zukunft im Secondaire steht. Der Lehrer des Kindes, der neben den Eltern das Kind am besten kennt, sowie der Psychologe, schlagen den Sekundaire in einer classe d’orientation vor. Dies ist auch die freie Entscheidung der beiden Eltern. Die drei Staatsbeamten, die nur eine Statistik vor sich liegen haben  (wer sich in Statistik auskennt, weiss dass sie im Einzelfall oft zu Falschaussagen missbraucht werden kann) und die das Kind persönlich nicht kennen, sind aber anderer Meinung: Sie schlagen das Lycée technique vor, da das Kind nach einem Schulsystemwechsel nur einen Notendurchschnitt von 36 im Französischen im zweiten Trimester vorzuweisen hatte. Dass dasselbe Kind den Rückstand schnell wettmachte , sich stetig verbesserte und nach 4 Prüfungen im gleichen Fach im dritten Trimester bereits einen Durchschnitt von 47 hat, spielt  dabei keine Rolle. Wenn sich später trotzdem  herausstellen würde, dass eine 7e technique die bessere Lösung wäre, wäre ein Wechsel nach einem Trimester, in dem die Schulnoten nicht zählen, sicher  auch einer demütigenden Aufnahmeprozedur , durch die  den meisten bewiesen wird, dass die Beamten vorher die richtige Wahl trafen, vorzuziehen. Wieso trägt eigentlich sonst eine 7e d’orientation ihren Namen ? Eltern und Grundschullehrer werden als unmündig erklärt!

Viel steht in der letzten Zeit über das „Enseignement précoce“ in den Zeitungen . An sich ist diese Möglichkeit sicher eine gute Sache. Dass sie aber in kurzer Zeit zwingend für alle sein soll, schneidet wieder das Entscheidungsrecht der Eltern, sowie die elterliche Erziehungfreiheit ein. Anstatt die Schuljahre zwingend zu verlängern, täte der Staat besser daran, für mehr Qualität in unseren Schulen zu sorgen. Luxemburg steht  immer noch an letzter Stelle der europäischen Hierarchie, sowohl was  die Zahl der Schulabschlüsse (unter 50%) als auch  die der Universitätsabgänger (1%, der europäische Durchschnitt liegt bei 3%) betrifft. Gotteseidank gelingt noch einigen die Flucht ins Ausland !

Auch andere machen scheinbar ähnliche Erfahrungen, denn vor kurzem schrieb ein höherer Beamte im Erziehungsministerium und Dipl-Pädagoge in einem Artikel zum Thema Kinderschutz über den unzeitgemässen  und repressiven Charakter der luxemburgischen Gesetzgebung: „ Jeder, der irgendwo öffentlich Stellung nimmt und etwas zu einem bestimmtem Fall sagt, geht das Risiko ein, gerichtlich belangt zu werden, weil der Schutz des Kindes so interpretiert wird, dass einige ausgewählte Experten, Professionelle und Spezialisten, abgeschirmt und abgesichert-auch von jeder qualifizierten Kritik-über Wohl und Wehe von Kindern und Familien entscheiden.“

Die kommunistischen Erfahrungen und ihr Beamtentum sind gescheitert. Hoffentlich siegt auch bei uns die Freiheit und Mündigkeit der Bürger !