REZENSION „Meister der Jinn“ (Irving Karchmar)


Dieser Sufi-Roman führt den Leser in die Wüste, in einen Sandsturm, der Verborgenes ans Licht bringt, in eine Nacht außerhalb der Zeit und in die Stadt der Jinn. Die Jinn sind, neben den Menschen und den Engeln, von Gott erschaffene Wesen, die einen freien Willen besitzen und deren Schicksal im Mittelpunkt der Erzählung steht. Die äußere Reise ist gleichzeitig eine innere spirituelle Reise. Das Abenteuer von einem Meister und seinen Derwischen, also seinen Sufi-Schülern wird sehr anschaulich beschrieben, so dass man leicht in die Bilder hineinfühlen kann. Der Rhythmus des Romans wechselt von langsameren Passagen zu intensiv steigernden Momenten und bietet so eine begeisternde Spannung für den Leser. Wie etwa in den Romanen eines Paulo Coehlo werden Charaktere, Abenteuer und spirituelles Gedankengut zu einem Gemisch verwoben. Vom Geschehen gefesselt, will man das Buch schnell zu Ende lesen.  Mittels der Äußerungen der Hauptfigur des Romans und der eingefügten Zitate von Sufi Meistern, wird dem Leser die Sufiphilosophie näher gebracht. Die Sufiterminologie wird nicht nur in einem Glossar am Ende des Buches erklärt, sondern kurz und bündig im Text erläutert, so dass man nicht immer hin und her blättern muss. Es mag dem einen oder andern an philosophischer Tiefe mangeln, aber das muss auch nicht das Anliegen eines Romans sein.  Gefühlsbetonte Menschen kommen jedenfalls nicht zu kurz und können tief berührt werden. Das Ende ist mir persönlich dann ein bisschen zu süßlich und happyendmäßig. Es erinnert mich an einen amerikanischen Film, wo die Helden Hand in Hand auf den Sonnenuntergang in menschlicher und göttlicher Liebe vereint zu gehen. Leser die gerne zum Nachdenken  angeregt werden, finden auch genügend Gelegenheiten dazu, so zum Beispiel wenn der Meister fragt: “Und glaubst du auch, dass sie nicht wissen, was du gerade über sie denkst?“ Wie anders würden wir innerlich fühlen und äußerlich zusammenleben, wenn dies in unserer Realität der Fall wäre? Alles in allem ein gelungenes Buch, das eine gute Abwechslung zu den vielen spirituellen „Sachbüchern“ darstellt.
 

BEWERTUNG: „GUT“