Evolutionäre Spiritualität

Herbstakademie in Frankfurt

Evolutionäre Spiritualität und die jüdisch-christliche Tradition waren das Thema dieses, von Info3, „What is Enlightement“ und der Integralen Initiative Frankfurt organisierten, Wochenendes in Oberursel bei Frankfurt. Dass Menschen aus verschiedenen Denkrichtungen, wie etwa die Anhänger Rudolf Steiners, Andrew Cohens oder Ken Wilbers teilnahmen, kann man schon als weltzentrischen Evolutionsschritt bezeichnen.

Die Impulsreferate hielten Annette Kaiser, Dr. Christoph Quarch, János Darvas, Michael Habecker, Dr. Jens Heisterkamp, Dr. Thomas Steininger und Sonja Student. Inspiriert wurden sie von Hildegard von Bingen, Jean Gebser, Teilhard de Chardin, Hegel, der Kabbala, dem Chassidismus oder gar von Franz Joseph Molitor aus Oberursel. Eine geäußerte Meinung war zum Beispiel, dass unsere Vorstellungen von Entwicklung  sich entwickeln würden, eine andere, die Evolution sei eine Antwort auf den Sinn der Geschichte. Es wurde gefragt, welche die aktive Beteiligung des Menschen am Entwicklungsprozess sei? Teilhard de Chardins Ideen des Herzens der Materie und der Beseelung der Welt wurden angesprochen. Die Zuhörer waren aufgerufen, die geäußerten Impulse in den Weiten des Bewusstseinsraumes zu meditieren und nicht um nur ihre mentalen Gewohnheiten zu bestätigen oder zu widerlegen.

Die von Annette Kaiser angeleiteten Morgenmeditationen konnten dazu beitragen die „integrale Praxis“ vorzubereiten, in der der Mensch die grundlegende Verbundenheit des Lebens als systemisches Netzwerk begreift. Mit Umwelt und Mitmenschen aus einem universellen, das heißt kosmisch zentrierten multiperspektivistischen Bewusstsein heraus zu kommunizieren, mögen manche auch schlicht als Akt der echten Liebe bezeichnen. Was aber am meisten am Wochenende hervorstach, war der intensive Dialog aller Teilnehmer in den sogenannten E-Cafés (E für Evolution), die auf jedes Kurzreferat folgten und die sich an der Methodik der World Cafés inspirierten (www.theworldcafe.com) .

Während fünfzehn Minuten diskutierten fünf bis sechs Anwesende unter der Leitung eines Koordinators zu einer Fragestellung, die jeweils aus dem gerade Gehörten hervorging. Daran knüpfte eine zweite Runde mit neuen sich möglichst unbekannten Menschen an das Erarbeitete und vom Koordinator Zusammengefasste an. Die Animatoren des Austausches sorgten für die Beachtung folgender drei Prinzipien: Erstens, dass ein Schlüssel zum Erfolg der Evolutions-Cafés darin liegt, mehr daran interessiert zu sein, was man noch nicht weiß, als an dem, was man schon weiß. Zweitens, dass es sehr hilft, anstatt zu intellektuell und zu persönlich zu sein,  vor allem daran interessiert zu bleiben, was zwischen allen gemeinsam im Gespräch entsteht. Drittens, dass wirkliches Zuhören es ermöglicht, gemeinsam ein Gespräch zu  entwickeln, das aufeinander aufbaut und indem man in einem immer weiteren und tieferen Bewusstsein zusammenkommt.

Damit wir nicht all zu viel abhoben, wurden wir zwischendurch durch das herrliche Essen der Reformhaus-Akademie geerdet. Ein Teilnehmer mischte sich gar einen „integralen“ Tee aus Cool Cassistee, Fenchel-Kümmel-Anistee und Tempelbaumtee zusammen.

Ein Film über Teilhard de Chardin und ein Tondokument wurden vorgeführt, in Erinnerung an Günther Schiwy, der einer der Vortragenden sein sollte, aber inzwischen verstorben ist.  Schade war eigentlich nur, dass die eurythmischen Vorführungen die Teilnehmer nicht mehr einbezogen. Wichtig scheint mir die erwähnte Aussage Dantes: „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt.“ Dazu könnten die Teilnehmer angeregt sein, bevor sie sich zur Herbstsakademie 2009 wieder treffen.