Erinnerungen
an die Schwangerschaftszeit und die ersten Lebensjahre von „Elteren (a Pedagoge) fir Integratioun“
 
 

Die vorgeburtliche Zeit

Die vorgeburtliche Zeit fing an in den achtziger Jahren, in denen ich Mitglied der MPPS und später Präsident des TIK (The International Kindergarten) war.  Der TIK hatte damals drei Besonderheiten. Erstens vereinigte er Kinder verschiedenster Nationen, zweitens ermöglichte eine Statutenänderung eine Art Selbstverantwortung in dem Sinne, dass der Trägerverein nur aus Betroffenen bestand, nämlich interessierten Eltern und Erziehern und drittens war der TIK die erste Kindertagesstätte, die es sich zum Ziel nahm behinderte Kinder in ihren Gruppen zu integrieren und zu begleiteten. Alles hatte damit begonnen, dass ein Kind namens Alastair im September 1980 aufgenommen wurde und dass Maggy Wangen und Jutta von Dewitz 1983 ein einmonatiges Praktikum in Gevelsberg absolvierten. Das ministeriell genehmigte Pilot-Projekt fand 1984/85 statt. 1988 wurden, nach einem Brief des TIK an die Entente, Integrationsgruppen in die Konventionen zwischen dem Familienministerium und den Trägergesellschaften aufgenommen.

Zwei Tatsachen fielen uns auf und ermunterten uns die Integration zu entwickeln und zu fördern. Die Praxis erwies, dass die Spielgenossen der behinderten Kinder oft nicht wussten, wer denn nun der „Behinderte“ in der Gruppe sein sollte, wenn sie nicht von Erwachsenen darauf aufmerksam gemacht wurden. Das Zusammensein war in dem Sinne also zwischen den Kindern nicht schwierig, weil sie einfach vorurteilsfrei waren. Des weiteren wurde den Beteiligten schnell klar, dass man genauso viel von den behinderten Kindern lernen konnte als umgekehrt. Warum sollten nicht beide Feststellungen verallgemeinert werden können. Es entstand eine Arbeitsgruppe zum Thema „Integration“ die Eltern von behinderten Kindern und Erziehern zusammenbrachte. Die meisten Arbeitsgruppenmitglieder wurden schlussendlich Mitbegründer der Vereinigung „Elteren fir Integratioun“.

Am 2. Oktober 1990 organisierte die Initiative „Elteren fir Integratioun“ unter der Schirmherrschaft von Erziehungsminister Marc Fischbach und in Zusammenarbeit mit dem „Service d’Intervention Précoce Orthopédagogique“, dem „Service de Rééducation Précoce“, „Hëllef fir de Puppelchen“ und dem „The International Kindergarten“ den Vortragsabend „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“ mit Dr. Christa Roebke (Vorsitzende der Landesgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen in der BRD) , Friedhelm Schick (Lehrer einer Integrationsklasse an der Bonner Bodelschwingh-Schule) und Robert Soisson (Psychologe des Service CMPP Esch/A.).
 

Die Geburt

Am 10. Dezember 1990 fand in der Schauwebuerg in Bertrange die Gründungsversammlung von „Elteren fir Integratioun“ in Anwesenheit des Direktors der „Education différenciée“ John Pull und des Präsidenten der APEMH Fernand Peiffer statt. Der erste Vorstand setzte sich aus Eltern und aus Erziehern zusammen: Präsident war Alfred Groff, Vize-Präsidentin Jeanne Weiland, Sekretär Edouard Streitz, Kassiererin Sylvie Dahm und Mitglieder waren Jutta von Dewitz, Marie-Rose Plein und Monique Lallemang. Vorgeführt und diskutiert wurde der Videofilm „Intégration à l’école en RFA“.

Am 21. Dezember 1990 erschien im Luxemburger Land ein ganzseitiger Artikel mit dem Titel : „Vorher die Exote, jetzt die Pioniere“, bald darauf weitere kleinere Artikel in verschieden Tageszeitungen.

Wir entwarfen ein orangenfarbiges Faltblatt mit dem ersten Logo, einer Art „Züglein ohne Räder, der im Kreis fährt und in den der letzte Wagon eingefügt wird“. Angeführte Ziele waren : Kontaktstelle, Anregung von Integrationsprojekten, Kontakte zu politisch Verantwortlichen, Öffentlichkeitsarbeit, Auslandskontakte und Elternabende.
 
Die Pädagogen von „Pedagoge fir Integratioun“ stiessen erst einige Jahre später offiziell dazu und der Name des Vereins wurde dann auf „Elteren a Pedagoge fir Integratioun“ umgetauft.
 

Die ersten Jahre

Am 21. März 1991 bei unser zweiten Generalversammlung erweiterte sich der Vorstand um folgende Mitglieder : Mariette Ury, Kadusch Liane, als Vertreterin des „Elterekrees  Hyperaktiv Kanner“ und Marco Dockendorf.

Im April 1991 erschien ein Circulaire des Erziehungsministeriums der ermutigende Passagen enthielt.

Im Juni 1991 formulierten wir die Vorhaben von zwei Arbeitsgruppen zum Thema Elternkontakte und Elternaustausch sowie zum Thema Multidisziplinäre Beratungsstelle für Integration. Später entstand daraus die Mitbegründung der Beratungsstelle INFO-HANDICAP sowie in Zusammenarbeit mit der Vereinigung „Gesellschaft fir wëssenschaftlech Psychotherapie a Forschung“ die Elternabende in der Schauwenburg in Bertrange die von den Psychologen Alfred Groff und Gérard Louis begleitet wurden.

Am 10. Juli 1991 war in der Zeitschrift „Revue“ eine zweiseitige Reportage über den Verein mit dem Titel „Integration in der Schule: Gemeinsam Leben und Lernen“ zu lesen.

Am 23. Dezember 1991 fand unser erstes Treffen mit Minister Marc Fischbach statt.

Im Laufe des  Jahres hatte es 5 Informationsabende für Eltern gegeben, Briefe wurden u.a. an die Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg und den Direktor des I.E.E.S. geschickt und es hatte einige Treffen mit andern Vereinigungen gegeben (Mateneen Doheem, Association pour le Spina Bifida, Elterekrees Hyperaktiv Kanner, Aktiounskrees Psycho-Motorik).

Am 14. März 1992 wurde unser Leserbrief „Einige Überlegungen zur schulischen Integration behinderter Kinder“ veröffentlicht. Kurze Zeit später gaben wir unsere erste Publikation, ein Vorläufer der späteren Zeitung, mit Rückblick und Informationen heraus.

Im Mai 1992 standen u.a. die Kommentare betreffend dem „Projet de loi“ zur „Education différenciée“ und ein Treffen mit dem ISERP auf der Tagesordnung.

Am 12. November1992 wiederholten (einige Auseinandersetzungen und erste Briefe hatte es schon am 3. Juli 1991 und 16. März 1992 gegeben ) wir brieflich eine Forderung an Minister Marc Fischbach, nämlich die Teilnehmahne der Eltern, einer Vertrauensperson und eines Vertreters des Vereins an den Sitzungen der CMPP. Am 23. Dezember 1992  wurde einer Delegation des Vereins von Minister Fischbach ein Posten für einen ständigen Elternvertreter, für die Belange der Eltern die ihr Kind integrativ erziehen lassen wollten, zugesichert.

Am 4. Dezember 1992 wurde in der Nationalbibliothek ein Konferenzabend mit Prof. Dr. Alfred Sander der Universität Saarbrücken zum Thema „Integration behinderter Kinder und Jugendlicher in Allgemeinen Schulen – Grundlagen, Rahmenbedingungen und Erfahrungen aus dem Saarland“ organisiert. Am 1. Januar publizierte der „Grengespoun“ einen längeren Artikel zu dieser Konferenz mit dem Titel „Der träge Riese und der ungeduldige Zwerg“

Am 24. März 1993 organisierten wir ein Treffen zum Thema Beratungsstelle mit einigen andern Vereinigungen (eine erste solche Einladung hatte es bereits am 16. Oktober 1991 gegeben) und am 23. April 1993 unterschrieben Alfred Groff und Jutta von Dewitz als Vertreter von „Elteren fir Integratioun“ die ersten Statuten der Vereinigung „INFO-HANDICAP“.
 

Heute : PANincl

Da ich seit 1992 im Bereich der beruflichen Integration von benachteiligten und behinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den regulären Arbeitsmarkt arbeite und mich an der Ausarbeitung des ersten „Plan d’Action National - Inclusion“ (PANincl) beteiligte, möchte ich hier noch kurz auf die Chancen dieses neuen Instrumentes hinweisen. Die Ausarbeitung dieser PANincls wurde auf europäischem Niveau beschlossen und jede Regierung musste bis Juni 2001 ihren nationalen Plan vorlegen. Solche Pläne sollen  jetzt in die Praxis umgesetzt und laufend begutachtet werden . Alle zwei Jahre soll es einen neuen PANincl in jedem Land der europäischen Union geben. Es ist das erste Mal, dass die ONGs als Partner an der Ausarbeitung eines Dokumentes solcher Tragweite und am weiteren Prozess beteiligt werden. Vertreter der ONGs wurden sogar von der Brüsseler Kommission im Rahmen der luxemburgischen Delegation eingeladen,  um ihre Meinung zu dem von der Regierung ausgearbeiteten Plan darzulegen. So entstand ein Mittel für die Belange der Integration nicht nur national, von unten nach oben zu arbeiten, sondern auch über die Kommission von oben nach unten. Im ersten luxemburgischen PANincl. wurden in Punkto Behinderung besonders Vorschläge zur Arbeitsintegration gemacht. Eine aktive Teilnahme am Prozess zur Verallgemeinerung der Integration auf schulischer, arbeitsmässigen und kulturellen Ebene gilt es noch zu leisten.
 

„Ich kann’s! Gib acht, es ist ganz leicht,
Den Zauber auszuführen:
Lass mich dein Herz berühren!
Vertrau mir nur, sei nicht erschreckt!
Vergessenheit und Dunkel weicht,
Wenn Liebe Liebe weckt.

(Eli, ein behindertes Mädchen,
zugleich die Prinzessin in
Michael Endes Gauklermärchen)