The Spirit of Ayurveda

Unter Ayurveda stellte ich mir immer einen warmen öligen Stirnguss vor, in Kombination mit einer üppigen Vegetation, Wellen und einem idyllischen Sonnenuntergang im Hintergrund. Da ging ich nach Köln zum Osho-Uta Institut zu einer Einführung in Lebendiges Ayurveda. Es gab keinen Stirnguss und im Hintergrund keine Ferienlandschaft, sondern Osho schaute mich von überall an, als eine Art „Über-Ich“, egal wo ich mich im Zimmer niederließ. Seinem spitzbübischen Lächeln kann man eine gewisse Attraktivität nicht absprechen. Ebenso wenig seinen dynamischen Meditationen, die es täglich zwischen den Ayurvedasessions gab.

Zur Einführung machte uns Komala Lyra mit den Grundprinzipien des Ayurvedischen Lebensstils und der Körperarbeit bekannt. Die verschiedenen Behandlungen sollen ein Gleichgewicht der Körper-Seele-Geist Einheit gewährleisten durch ein harmonisches Zusammenspiel der fünf Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft und Raum. Dieser Ansatz zur „Erforschung des Lebens“ betrachtet den Körper als ein energetisches Hologramm, das sich ständig durch die Sinne auf integrative und vielfältige Weise auflädt. Es folgte ein gemeinsames Singen des Mantras A-U-M und ein Tanz der Hände nach den verschiedenen Elementen in musikalischer Form. Die erspürte Energie im Körper konnten wir dann malend visualisieren.

Ich lernte Ayurveda als einen Ansatz kennen, der die Qualitäten der verschiedenen Ebenen des Menschen und seiner Umgebung identifizieren hilft und Unausgeglichenheiten mit Methoden wie Mantras, Körperarbeit und Tanz, Farbtherapie, Mandalas, Yantras, Ernährung oder Aromatherapie ausgleichen kann. Eine gewisse Ähnlichkeit mit der Analogiesprache der Astrologie ist vorhanden und beide Ansätze können sich laut Komala auch durchaus ergänzen.

Am zweiten Tag, dem Karfreitag, einem Vollmondtag und noch dazu Frühlingsanfang, starteten wir mit einer Massage der Energiepunkte in der Mitte unserer Hände und Fußsohlen. Dies erinnerte mich an die Stellen, an denen Christus an demselben Tag ans Kreuz genagelt wurde. Stimulierten die Nägel diese Punkte in Form etwas grob geratener Akupunkturnadeln mit den bekannten Konsequenzen? Dann musste ich an die letzte Ölung denken und somit wieder an wohlriechendes Massageöl, jedoch diesmal nicht vergebens, denn nach einem Ganzkörpertanz der fünf Elemente wurden wir paarweise zu einer Massage angeleitet, wobei das warme, mit Essenzen angereicherte Öl nicht fehlte. Komala merkte man ihre vielfältige Ausbildung, ihre langjährige Praxis und ihr professionelles Können an, als sie uns die verschiedenen Techniken erklärte. Ich als Massierender lernte, dies mit offenen Schultern, dem Körper hinter den Händen und zentriert in meinem Hara zu tun.

Am Anfang der einzelnen Einheiten kam ich mir manchmal vor wie bei der deutschen Bahn. Warten ... aber Verspätungen kann man ja durchaus positiv sehen, nämlich als Möglichkeit zu lernen, das Leben zu nehmen, wie es kommt. Die theoretischen Erklärungen, etwa zu den Gunas und Doshas, gerieten für meinen Geschmack immer etwas lang, da sie mit vielen Geschichten aus dem reichen Erfahrungsschatz Komalas untermauert waren. Ihre angenehme Stimme aber hörte sich wohlig an und ich fühlte mich wie zu den Zeiten, als meine Oma mir noch Geschichten vorlas. Noch entspannter wurde es, als ich am nächsten Tag die dreistündige Massage empfangen durfte. Erst etwas Hard Rock zu Hause erdete mich wieder. Fazit: Ein gelungenes Wochenende!