REZENSION : ADEPT (TOM AMARQUE)

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, fragte ich mich: Was ist denn das für ein Buch? Ist es eine Liebesgeschichte, die Beschreibung eines „Erleuchtungsweges“, einer spirituellen Entwicklung oder ein Krimi, denn da steht „Bin ich ein Mörder?“. Ist es ein erotischer Roman (Zitat: „Der eng umschlungene Tanz der Körper setzte körpereigene Drogen und Hormone frei ...“) oder gar eine Horrorgeschichte - „Ich trinke dein Blut.“? Der Deckel von Tom Amarques Buch gibt keinen klaren Aufschluss darüber, ob es ein Roman ist, wie ich eigentlich dachte. Auf dem hinteren Buchcover kann man lesen: “Zu welchen Höhen vermag einen die Liebe - die universelle Liebe - führen, wenn wir die Vorstellungen davon, wer wir sind, ablegen und uns dem grossen Ganzen hingeben?“ Ist es also ein philosophisches Sachbuch über die universelle Liebe? Amarque ist auch Mitherausgeber des Buches „Was ist Liebe?“, das hier bereits rezensiert wurde. Vielleicht ist dieses Buch alles das. All diese Themen scheinen dem Autor am Herzen zu liegen. Seine Erzählung beginnt am 13. September 2001 und endet 2012, obschon die geschilderte Liebe 2012 noch nicht zu enden scheint.

Am Anfang tat ich mir etwas schwer „hinein zu kommen, aber dann nahm mich das Buch ganz in seinen Bann, und es war eine Freude, es zu lesen. Was ich mir immer wünschte bei Büchern, wäre ein beigefügtes Lesezeichen mit den Namen der Protagonisten, ihrer Rolle, ihrem Status oder ihrer Funktion. Dann bräuchte der Leser nicht so oft rückwärts zu blättern. Alternativ könnte ich stattdessen meine Aufmerksamkeit besser schulen. Einige „gescheite Termini“ musste ich bei Wikipedia nachlesen. Vielleicht ist das Buch ja auch nur für „Integrale“ geschrieben, die das eh alles wissen.

Übrigens kommt die universelle Liebe noch einige Male im Buch vor. So sagt Sid, der Held des Buches: „Deshalb wird Liebe auch immer ein Mysterium bleiben, denn jede Beschreibung der Liebe hat nichts mehr mit der Erfahrung der Liebe, des Erfühlens des anderen, ja des Mitleidens zu tun. Und doch ist dieser Versuch, diesen Bereich einzunehmen und voll in die universelle Liebe einzutauchen, das Herz der Spiritualität. Deshalb sagte ich, dass die Psyche informationell geschlossen, aber energetisch offen ist...“. 19 Seiten später: „Ich öffne mich tief und bin fähig, das erste Mal die universelle Liebe zu erkennen, die durch dich, durch mich, durch uns fließt.“
 
Tom Amarque ist auch Autor eines philosophischen Standartwerkes über „Wille“ aus integraler, evolutionärer Sicht. So spielen neben der Liebe auch das Bewusstsein und der Wille eine zentrale Rolle: „Bewusstsein – wie Liebe und Wille – war ein inhärenter Teil der Existenz, und es gab nur ein Bewusstsein, einen Wille, eine Liebe.“ oder „Der große Wille ist das Geschenk, das uns die Evolution selbst vermachte.“

Mehr möchte ich nicht verraten, außer dass das Buch spannend ist und viele essentielle Fragen aufwirft. Diese zu bedenken, zu erfühlen oder mit Freunden zu besprechen, empfand ich höchst lohnenswert. Von daher: Ein gelungenes Werk!
 

Alfred Groff
 

Beurteilung: Hervorragend