Offener Brief an Erziehungsministerin Frau Delvaux

Bereits im April 2005 wandten wir uns an Sie im Zusammenhang mit der schulischen Integration von Kindern mit speziellen Bedürfnissen.

Diesmal geht es um den «Projet de règlement grand-ducal portant fixation de la tâche des enseignants des lycées et lycées techniques». Im letzten Abschnitt des Art.12. steht : «A l’exception des leçons assurées dans des classes d’examen, les leçons qui ne sont pas assurées pendant toute la durée de l’année scolaire et qui ne sont pas remplacées par d’autres activités sont affectées d’un coefficient correcteur tenant compte de la durée effective de la prestation.» Im «Commentaire des articles» findet man kein Wort darüber, wieso es eine Ausnahme geben soll!

Da sollen also während sechs Wochen alle Professoren aller Klassen mit einem Abschlussexamen in Luxemburg bezahlt werden, um nicht zu arbeiten! Eine Abartigkeit, die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen hat, wird nun bei der Gelegenheit dieses Reglements nicht abgeschafft, sondern in Marmor gemeißelt. Wenn man die Unmengen an öffentlichen Geldern bedenkt, die hier verpulvert werden sollen, sind die Ersparnisse, die durch das gleichzeitige Beschneiden des Koeffizienten um 0.05 entstehen, geradezu  lächerlich.

Dabei machte die „Cour des comptes“ in ihrem Spezialbericht über den „Lycée Michel Rodange“ am 17. März 2004 bereits auf diese ungerechtfertigte Praxis aufmerksam : «Les heures supplémentaires sont mises en compte pour les titulaires des classes de terminale jusqu’au 15 juillet alors que la fin des classes se situe à la fin mai.».

Natürlich bleiben Tätigkeiten in Zusammenhang mit den Examina gesondert finanziell honoriert. Sollte es so sein, dass die Professoren dabei nicht genügend bezahlt würden, könnte man das wohl kaum durch eine keineswegs damit zusammenhängende Maßnahme kompensieren. Oder hat man das Recht zu klauen, wenn man meint, schlecht bezahlt zu werden?

Sollte man nicht die für Nichtarbeit verwendeten beträchtlichen Geldsummen für die Unterstützung bedürftiger und unterprivilegierter Schüler nutzen oder die betroffenen Professoren für dieselbigen Schüler während sechs Wochen arbeiten lassen?

In Erwartung Ihrer Erklärungen und Vorschläge hoffen wir, dass hier nicht ein bedauerlicher Präzedenzfall von Bezahlung für Nullleistungen geschaffen wird, wo es noch unzählige sinnvolle Tätigkeiten in ihrem Verantwortungsbereich gibt, die nur darauf warten, endlich in die Praxis umgesetzt zu werden.

EAPN Lëtzebuerg
(www.mtk.lu/eapnlux.html)
Juli 2007